Großes Geld, schnelle Autos, schöne Frauen, erlesene Weine, dazu ein weltberühmter, 80-jähriger Milliardär und ein knapp 30 Jahre jüngerer, ebenso ausgefuchster wie ambitionierter Bankmanager. Der Korruptionsprozess, der am Montag vor dem Landgericht München I beginnt, hat alle Zutaten für einen Krimi aus der Welt der Reichen, Schönen und Gierigen. Die Hauptpersonen sind der frühere Vorstand der Bayerischen Landesbank, Gerhard Gribkowsky, als Angeklagter und Formel-1-König Bernie Ecclestone als Zeuge. Doch Ecclestone ist nicht nur Zeuge. Er ist auch – wie es in der Sprache der Juristen so schön heißt – ein „anderweitig Verfolgter“. Will heißen: Auch Ecclestone steht unter Verdacht. Das sorgt für zusätzliche Spannung.
Die Vorgeschichte ist schnell erzählt: Nach der Pleite der Mediengruppe des Münchner Unternehmers Leo Kirch im Jahr 2002 fiel der Bayerischen Landesbank, die Kirch knapp eine Milliarde Euro geliehen hatte, die Mehrheit an der Formel 1 zu. 2003 übernahm Gribkowsky die Aufgabe, diese Anteile zu verwerten. Ecclestone hatte allen Grund, um seinen Einfluss und sein Lebenswerk zu fürchten.
Die Auseinandersetzung zwischen den beiden Herren begann mit einem heftigen Tauziehen um die Macht in dem verwirrenden Geflecht von Firmen rund um die Formel 1. Mehrfach wurden Gerichte in London bemüht. Ecclestone ließ nicht locker. Gribkowsky ließ sich nichts gefallen und setzte nach Auffassung der Ermittler den Formel-1-König mit allerlei „Anspielungen“ unter Druck, die möglicherweise geeignet waren, Ecclestone eine unangenehme Steuerprüfung auf den Hals zu hetzen. Gribkowskys Motiv soll, wenn der Verdacht der Staatsanwaltschaft zutrifft, recht eigennützig gewesen sein: Er wollte angeblich seinen hoch dotierten Job bei der BayernLB aufgeben und selbst Chef der Formel 1 werden oder sich zumindest eine noch einträglichere Existenz als selbstständiger Berater aufbauen.
Ein Ausweg für beide tat sich erst auf, als im Sommer 2005 der britische Finanzinvestor CVC Interesse an der Formel 1 anmeldete. CVC war über ein weiteres Unternehmen bereits im Motorsport engagiert und wollte Ecclestone als Chef der Formel 1 halten. Damit hätte Ecclestone sein Ziel erreicht. Doch auch Gribkowsky soll Gefallen an dieser Lösung gefunden haben. Vorstand und Verwaltungsrat der BayernLB wollten die Anteile an der Formel 1 loswerden. Diese Situation soll Gribkowsky nach Ansicht der Ermittler genutzt haben, um sich zu bereichern.
Im Oktober 2005 soll das Geschäft zwischen Ecclestone und Gribkowsky zu folgenden Bedingungen abgeschlossen worden sein: Gribkowsky wollte dafür sorgen, dass CVC ohne weitere Prüfung des Angebots zum Zug kommt, und er bot angeblich auch an, seine lästigen „Anspielungen“ einzustellen. Im Gegenzug sollte er 50 Millionen Dollar erhalten, getarnt als Beraterhonorar. Gezahlt wurden laut Staatsanwaltschaft schließlich rund 40 Millionen Dollar. Der Gesamtschaden für die BayernLB wird auf 66,5 Millionen Dollar geschätzt.
Am 5. Januar dieses Jahres war es mit dem süßen Leben des Bankmanagers in seiner Villa im Münchner Nobelvorort Grünwald erst einmal vorbei. Seit diesem Tag sitzt er in einer Zelle der Justizvollzugsanstalt Stadelheim in München. Sein Weinkeller ist für ihn ebenso wenig erreichbar wie die vielen Millionen, die er unter anderem in eine österreichischen Stiftung mit dem wohlklingenden Namen „Sonnenschein“ gesteckt hatte. Die BayernLB hat sich die Vermögenswerte gesichert.
Gribkowsky wegen Bestechlichkeit und Untreue vor Gericht
Ab Montag muss sich Gribkowsky wegen Bestechlichkeit und Untreue vor dem Landgericht München verantworten. Er bestreitet die Vorwürfe.
In dem Mammutprozess – bisher sind 26 Verhandlungstage angesetzt und 40 Zeugen benannt – wird es auch um die Frage gehen, ob Ecclestone Opfer einer Erpressung oder Mittäter war. Ecclestone soll wenige Tage nach seinem 81. Geburtstag am 9. und 10. November zunächst als Zeuge gehört werden.