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06. Januar 2012 13:10 Uhr

Feuer

Das Kirchen-Drama

Ein Blitzschlag setzt den Kirchturm in Wald im Ostallgäu in Brand. Die Turmspitze bricht ab und fällt auf den Friedhof. Die Menschen verfolgen bis tief in die Nacht die Löscharbeiten Von Reinhold Löchle

Wald Es ist 19.52 Uhr am Abend vor Dreikönig und diese Minute dürfte für die Menschen im Ostallgäuer 1100-Seelen-Dorf Wald für immer als furchtbar in Erinnerung bleiben. Auch in 80 Meter Sicherheitsabstand hört man noch das bedrohliche Knacken des berstenden Gebälks, dazu entsetzte Schreie von Menschen – und dann stürzt mit einem Funkenschweif die Kirchturmspitze auf den Gottesacker. Für Sekunden herrscht gespenstige Stille. Dann laute Rufe der Feuerwehrleute, die zum Friedhof rennen. Fassungslos blickt ein älterer Mann hinüber zu St. Nikolaus und sagt leise: „Das ist einfach furchtbar.“

Um diese Zeit sind etwa 150 Einsatzkräfte aus dem Ostallgäu, dazu 50 Sanitätskräfte des Roten Kreuzes sowie 20 Polizeibeamte, bereits zwei Stunden im Einsatz. Um 17.30 Uhr kam der Alarm: „Der Kirchturm in Wald brennt.“ An diesem Spätnachmittag war Sturmtief „Andrea“ mit peitschendem Schneeregen, Blitz und Donner über das Ostallgäu gezogen. „Es war um 16.20 Uhr. Da hat’s dreimal geblitzt, der zweite Blitz schlug in die Kirche ein“, ist sich ein 68-Jähriger sicher, der zu diesem Zeitpunkt Schnee schippte. Wenn es so war, dann brach der Brand in dem 632 Jahre alten Kirchturm weit später aus: „Um fünf hat man noch nichts gesehen“, gibt der 68-Jährige seine Beobachtungen wieder. Die Kirchturmuhr blieb um kurz nach halb sechs stehen.

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„Brandursache vermutlich Blitzschlag“ – davon gehen später auch der Marktoberdorfer Polizeichef Alfred Immerz und Kreisbrandrat Markus Barnsteiner aus. Noch unklar ist, wie hoch der Schaden ist. Erste Schätzungen gehen von einem hohen sechsstelligen Euro-Betrag aus. Das Schiff der Kirche soll noch intakt sein, macht Kreisbrandrat Barnsteiner Hoffnung. Der 62 Meter hohe Turm, dessen letzten 20 Meter die blechverkleidete Spitze mit ihrem hölzernen Dachstuhl bildeten, scheint dagegen völlig zerstört. Statiker sollen nun herausfinden, ob er ganz abgerissen werden muss.

Mehrere Faktoren hatten die bis Mitternacht dauernden Löscharbeiten erschwert: Dem Feuer kamen die Einsatzkräfte nur über einen Wasserwerfer und zwei Drehleitern bei und dies mit 20 Meter Sicherheitsabstand zum Turm – weil dessen Spitze sekündlich abzubrechen drohte. Auch mussten sie durch schmale seitliche Maueröffnungen in Höhe der – immer noch hängenden – Glocken spritzen. Starke Böen lenkten den Wasserstrahl ab. Wegen des erwarteten Turmeinsturzes und des Funkenflugs mussten 15 Menschen umliegende Häuser verlassen. Um sie kümmerten sich Verwandte und Helfer. Ferner mussten 25 Stück Vieh in Sicherheit gebracht werden. Das Rote Kreuz richtete in der Gemeindehalle ein Versorgungszentrum ein.

Bürgermeister Josef Ampßler ringt auch spät am Abend noch nach Worten: „Für unser Dorf ist das einfach unvorstellbar.“ Er sei froh, dass niemand verletzt wurde. Pfarrer Eduard Bayrhof sagt wenige Stunden später bei der kurzfristig in die Festhalle verlegten Dreikönigs-Messe: „Das ist ein großer Schmerz, der einen ins Herz trifft.“

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