Tourismus, Wirtschaft, Kultur und Landwirtschaft präsentieren sich im Allgäu künftig unter dem Dach einer Marke. Eine Region bündelt ihre Kräfte. Von Dirk Ambrosch

Das Allgäu will sich im Wettbewerb der Regionen noch stärker positionieren. Zu diesem Zweck wird das ganze Allgäu künftig von der neu gegründeten Allgäu GmbH vertreten, beworben und nach außen dargestellt werden. "So ein Modell ist bayernweit einmalig", sagte der Oberallgäuer Landrat Gebhard Kaiser.
Neu ist vor allem die Bündelung unter dem Dach der Marke Allgäu, die es bislang ausschließlich für den Bereich Tourismus gab. Künftig sollen unter diesem Markendach aber auch die Kräfte von Wirtschaft, Landwirtschaft und Kultur konzentriert werden. "Es ist die Chance, mit einer Stimme zu sprechen und das Allgäu gemeinschaftlich voranzubringen", sagte Kaiser bei der Vorstellung des Konzepts auf der Allgäuer Festwoche in Kempten. Die neue Gesellschaft soll am 1. Januar 2011 ihren Betrieb aufnehmen.
Als Grundkapital sind 1,2 Millionen Euro veranschlagt
Nach den Vorstellungen der Verantwortlichen soll sich das Allgäu künftig als "leistungsstarker, zukunftsorientierter Standort für Leben, Arbeiten und Urlauben mit Verantwortung für nachhaltiges Wirtschaften und gesundes Leben" positionieren. Die Botschaft lautet: Hier verbinden sich Natur, Genuss und Leistung. "Mit einem gemeinsamen Auftritt wollen wir das positive Image, das die Marke Allgäu bereits im Tourismus erreicht hat, nun auf eine breite Basis der Unternehmen und Produkte im Allgäu übertragen können", erklärte der Vorsitzende des Tourismusverbandes Allgäu/Bayerisch-Schwaben, Alfons Zeller, die erhoffte Wirkung des neuen Konstrukts.
Die Allgäu GmbH geht hervor aus der Verschmelzung der Gremien von Allgäu Initiative (Politik und Wirtschaft) sowie Allgäu Marketing (Tourismus). Die Partner in der neuen Gesellschaft stammen aus allen vier Allgäuer Landkreisen sowie den drei kreisfreien Städten. Als Grundkapital sind 1,2 Millionen Euro veranschlagt.
Ausgangspunkt für den Zusammenschluss war laut Regionalmanager Andreas Querbach der Wille, nicht von den Metropolregionen München oder Stuttgart vereinnahmt zu werden. "Wir wollen von außen als ein starkes Allgäu wahrgenommen werden", sagt Querbach.
Bis Anfang nächsten Jahres soll diese Botschaft in die Öffentlichkeit getragen werden. Eine Agentur ist dazu mit dem Kommunikationsdesign beauftragt worden. "Wir müssen das Kirchturmdenken aus den Köpfen der Menschen bringen. Das ist die größte Herausforderung", sagt Gebhard Kaiser, der als künftiger Aufsichtsratsvorsitzender der Allgäu GmbH gehandelt wird. Konkret bedeutet das neue Denken zum Beispiel im Tourismus: Weg mit den Unmengen an teuren Einzel-Messeauftritten oder Prospekten von jedem einzelnen Ort.
Das Allgäu als innovativer Wirtschaftsstandort
Wie kann nun aber neben Tourismus und Lebensmittelverarbeitung etwa der mittelständische Metallbauer von der neuen Marke profitieren? "Indem das Allgäu auch als innovativer Wirtschaftsstandort bekannt wird", erklärt Klaus Fischer, Geschäftsführer der Allgäu Initiative. Es müsse deutlich werden, dass das Allgäu eine Wirtschaftsregion mit hoher Umwelt- und Lebensqualität ist. "Arbeiten, wo andere Urlaub machen" - mit dieser Botschaft böte sich auch kleineren Firmen die Chance, im sich verschärfenden Wettbewerb um Fachkräfte aus ganz Deutschland zu bestehen. Doch zuvor gilt es in der Region auch Ängste zu zerstreuen. Etwa vor dem Verlust lokaler Identitäten unter der Marke Allgäu. Der Geschäftsführer von Allgäu Marketing, Bernhard Joachim, beschwichtigt. "Es geht nicht um Gleichmacherei. Die Dachmarke Allgäu soll Orientierung bieten. Jeder soll sich auch weiterhin mit seinen eigenen Stärken positionieren dürfen."
Der Erfolg der neuen Marke sei jedoch abhängig von der Akzeptanz in der Region. Der Kemptener Oberbürgermeister Ulrich Netzer appellierte daher: "Die Marke Allgäu muss zuallererst von innen gelebt und dann mit Begeisterung nach außen getragen werden." Dirk Ambrosch
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