Geredet und geschrieben wurde in den zurückliegenden Jahren schon viel über das Thema – passiert ist wenig. Nach Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle will sich nun aber auch der Intendant des Bayerischen Rundfunks (BR), Ulrich Wilhelm, für eine Rückkehr der Augsburger Puppenkiste ins Fernsehen einsetzen. „Wir haben den festen Willen, mit den Machern der Augsburger Puppenkiste Projektideen zu diskutieren“, sagte ein BR-Sprecher und bestätigte einen Bericht der Süddeutschen Zeitung.
Das Besondere dabei: Ulrich kann sich sogar vorstellen, dass der BR mit dem Traditionstheater neue Produktionen verfilmt. Es sei wichtig, dass die möglichen Ausstrahlungen zeitgemäß seien, betonte der Sprecher. Darum seien auch „Formate ganz neuen Zuschnitts“ denkbar. Wie sie genau aussehen könnten, ist noch nicht klar.
Darum werden wohl auch neue Hauptfiguren gesucht. Wer wird der neue Superstar der Augsburger Puppenkiste nach Jim Knopf und Urmel, Kater Mikesch, Monty Spinneratz & Co. werden? Puppenkisten-Manager und Chef-Marionettenspieler Klaus Marschall hält sich noch bedeckt. Vor April könne man nichts sagen, lautet seine Auskunft. Doch Marschall fühlt sich angesichts der neuen Situation geschmeichelt: „Dieses Interesse freut mich natürlich sehr.“ Er habe bereits „viele verschiedene Ideen“.
„Wir werden uns in den Osterferien zusammensetzen und überlegen, was wir machen werden“, sagte er unserer Zeitung. Das könne von Spielfilmformaten bis hin zu Kurzgeschichten reichen. Serien mit 100 und mehr Folgen seien für sein Unternehmen allerdings nur schwer zu stemmen, so Marschall. „Die Frage ist: Was will man? Geschichten gut erzählen oder austauschbare Serienaufgüsse.“
Marschall ist davon überzeugt, dass mit dem klassischen Figurentheater auch im modernen Kinderfernsehen noch immer Staat zu machen ist, wenn man den Kleinen den Zugang dazu ermöglicht: „Es regt deutlich stärker als die heute gängigen Formate die Phantasie an.“
Aktuelle US-Studien über TV-Konsum bestätigen den Augsburger Theaterchef und kamen darüber hinaus zu dem Ergebnis, dass Zeichentrickfilme insbesondere Kinder im Vorschulalter negativ beeinflussen würden. Nach Angaben der Wissenschaftler behindert tempogeladene, schnell geschnittene TV-Unterhaltung deren Entwicklung sogar und erschwert ihnen das konzentrierte Nachdenken. „Da brauchen wir uns nicht wundern, dass immer mehr Kinder bei all den Zeichentrickfilmen hyperaktiv werden“, kommentiert Marschall.
Unter anderem in diese Formate investieren derzeit Fernsehsender – auch der von ARD und ZDF produzierte Kinderkanal (Kika). Die Geschichten der Augsburger Puppenkiste indes wurden dort nach Angaben des bayerischen Kultusministeriums als nicht mehr zeitgemäß eingestuft und im Herbst 2011 aus dem Programm genommen. Diese alten Sendungen waren seit den 1950er Jahren zumeist vom Hessischen Rundfunk produziert worden.
Die jüngste TV-Serienproduktion des Puppentheaters waren zwischen 2005 bis 2009 über 140 Folgen von Ralphi, dem Schlaubär im BR-Spartenkanal Alpha. mit dpa Spaenle macht sich für Urmel stark Augsburger Puppenkiste: Jim Knopfs traurigste Reise