Erst Mitte März dieses Jahres hat die Münchner Polizei eine Bande internationaler Betrüger ausgehoben. Mehr als 500 Beamte durchsuchten 150 Wohnungen und Werkstätten: Bei dem europaweit koordinierten Schlag gegen die sogenannte „Tacho-Mafia“ wurden 24 Hauptverdächtige festgenommen und rund 300 Fahrzeuge beschlagnahmt.
Den Verdächtigen wird vorgeworfen, Kilometerstände von Gebrauchtwagen durch Eingriffe in die Elektronik oder durch Austauschen von Speicherchips zurückgedreht zu haben, um den Wert der Autos zu steigern. Auch in Nordschwaben, im Landkreis Augsburg, war nach unseren von der Polizei bestätigten Informationen eine Firma von der Razzia betroffen.
Die Münchner Oberstaatsanwältin Barbara Stockinger sagt: „Zu diesem Thema kann ich derzeit noch nicht viel sagen.“ Die Ermittlungen liefen noch immer auf Hochtouren. „Wir bekommen tatsächlich beinahe wöchentlich neue Anzeigen zu diesen Fällen“, verrät Stockinger. Darum sei der Abschluss der Ermittlungen nicht abzusehen. Drei Verdächtige säßen weiterhin in Untersuchungshaft. Die Staatsanwältin ist sich sicher: „Die Razzia war ein Schlag für die Szene.“
Jeder dritte Gebrauchtwagen manipuliert
Das Geschäft mit dem Tacho-Betrug floriert allerdings trotz der erfolgreichen Polizeiaktion in der bayerischen Landeshauptstadt nach wie vor, weiß ADAC-Technikexperte Christian Buric. Jeder dritte Gebrauchtwagen soll nach Schätzungen der Polizei mittlerweile manipuliert sein. Kein Wunder. War es früher vergleichsweise mühsam, weil der Tachometer oder das Steuergerät ausgebaut werden musste, lässt sich der Kilometerstand heute über eine bestimmte Anschlussbuchse (OBD-Buchse) bei den allermeisten Modellen binnen 30 Sekunden selbst von Laien mit Computer und Spezialsoftware zurückdrehen.
Privatleute gehen allerdings den Experten zufolge meist nicht eigenhändig vor, sondern nutzten die Dienste von Firmen, die ihre Leistungen offen über das Internet anbieten. Berichten zufolge kommen sie auf jeden Parkplatz – und arbeiten für kleines Geld. Die Preise für eine Tachorückstellung sollen zwischen 50 bis 500 Euro liegen. Die Polizei kann nur einschreiten, wenn sie die Täter in flagranti erwischt. Bis 2005 hatten es die Beamten noch schwerer. Denn bis dahin war das Vorgehen nur strafbar, wenn die Laufleistung eines Autos falsch angegeben war. Solange im Kaufvertrag „Kilometerstand“ und nicht „Laufleistung“ beschrieben wurde, war das juristisch nicht zu beanstanden. Im Internet findet man jede Menge Beispiele von Opfern, die Rat suchen. So meldet sich auf motortalk.de eine Frau, die mit ihrem Mann „am 9 August dieses Jahres einen Audi A6 Avant“ kaufte: „Der Wagen wurde uns mit einem Stand von circa 156500 Kilometern übergeben und machte einen guten Eindruck“. Später stellte nach Angaben der Frau ein Audi-Händler fest, dass der Wagen 2005 letztmals in der Werkstatt war und da schon 158000 Kilometer aufwies.
Der Schaden durch Tacho-Manipulation in Europa ist enorm. Nach Schätzungen der Polizei beträgt er bis zu zehn Milliarden Euro. Der ADAC appelliert an Autokäufer, beim Kauf von Gebrauchtwagen, besonders vorsichtig zu sein und das Auto vorher genau zu überprüfen.
Tipps zum Gebrauchtwagenkauf
Von außen sind Autos mit manipulierten Kilometerzählern meist nicht zu erkennen. Sie sind von den Betrügern optisch auf Hochglanz gebracht worden. Der ADAC hat einige Tipps, was man beim Gebrauchtwagenkauf beachten sollte.
Prüfen Sie das Service-Heft auf Plausibilität. Aber Vorsicht: Betrüger kaufen oft ein Blanko-Heft und fälschen die Stempel. Kontrollieren lässt sich das Heft mit einem Anruf in der Werkstatt.
Werkstätten notieren auf dem Service-Zettel das Datum des letzten Ölwechsels und die Laufleistung. Zeigt der Tacho eine niedrigere Zahl an als der Service-Zettel, ist klar, dass manipuliert wurde.
Der Fahrzeugbrief: Bei Manipulationsverdacht den Vorbesitzer anrufen und fragen, mit welchem Kilometerstand das Fahrzeug verkauft wurde. Auch in TÜV-Berichten sind Datum und Laufleistung verzeichnet.
Abnutzungserscheinungen im Auto wie ein abgegriffenes Lenkrad oder durchgesessene Sitze prüfen. Josef Karg