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09. September 2011 17:31 Uhr

Mode

Die Tracht ist ein Muss

Bayerisch ist wieder Standard: Warum Dirndl und Lederhose bei Jugendlichen beliebt sind wie nie.

Der Phantasie sind kaum Grenzen gesetzt, wenn es darum geht, das traditionelle Dirndl modisch aufzupeppen. Ob beim Augsburger Herbstplärrer (unser Bild) oder bei den Volksfesten in den Dörfern und erst recht beim Oktoberfest: Die Tracht ist ein Muss für junge Leute.
Foto: Alexander Kaya

Bayerisch ist wieder Standard. Claudia Koreck und LaBrassBanda stürmen mit Mundarttexten und bayerischen Instrumenten die Musikcharts und auf Volksfesten im Freistaat scheint es nur noch einen Dresscode zu geben: Dirndl und Lederhose – vor allem bei der jungen Generation. Seit einigen Jahren besteht der Trend zur Tracht und hat dabei solche Ausmaße angenommen, dass aus der Modeerscheinung ein Muss wurde.

Warum aber gerade Jugendliche so stark auf Charivari und Diridari anspringen, ist nicht so einfach zu erklären. Auch die Kulturwissenschaftlerin Simone Egger von der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität, die sich in ihrer Magisterarbeit mit dem „Phänomen Wiesn-Tracht“ auseinandergesetzt hat, muss weiter ausholen. Sie erklärt die neue Trachtenkultur so: „Man könnte natürlich ganz einfach sagen, dass sich die Menschen in Zeiten der Globalisierung nach einem Heimatgefühl sehnen“, sagt die 32-Jährige. Es stimme zwar, dass das Lokale immer größere Bedeutung gewinne. Dennoch stecke mehr hinter diesem „postmodernen Phänomen“.

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Generation vor 30 Jahren wusste so gar nichts mit Trachtenmode anzufangen

Angefangen hat die Trachtenwelle vor gut zehn Jahren. Den Startschuss hat genau die Altersgruppe gegeben, die heute in so großer Zahl in Dirndl und Lederhose die Bierzelte des Freistaats säumt. „Es ging von Leuten aus, die 16 oder 17 Jahre alt waren. Diese Gruppe hat angefangen, sich wieder mit Dirndl und Lederhose zu beschäftigen.“ Die Jugend hat sich damit von der vorhergehenden Generation abgegrenzt, die vor 20 oder 30 Jahren so gar nichts mit Trachtenmode anzufangen wusste. Und auch heute sind die Trachtenträger meist Teenager.

In den 80er Jahren haben Lederhosen und Dirndl nicht den Modegeschmack der damaligen Jugend getroffen. Junge Frauen und Männer von heute machen es anders: Sie übertragen ihren Alltagsstil auf die Tracht. „Wer normalerweise teure Markenklamotten trägt, der schaut auch bei Dirndl und Lederhose, dass es sich vom Gewöhnlichen abhebt“, stellt Simone Egger fest. Gerade zur Wiesn-Zeit gibt es auch Dirndln von namhaften Designern, aber das Sortiment ist breit gefächert und reicht bis zum preiswerten Komplettangebot. „Geschmacklos und nicht geschmacklos gibt es hier nicht. Die Jugendlichen akzeptieren, was zu ihrem Stil passt“, sagt Simone Egger.

Manchmal reicht ein schlichtes T-Shirt

Außerdem bestätigt ein gezielter Blick: Es dürfen auch Turnschuhe zur Lederhose oder eine moderne Handtasche zum Dirndl sein, ein kariertes Hemd ist bei den Buben nicht Pflicht – manchmal reicht ein schlichtes T-Shirt. Authentizität in Sachen Tracht wird aber wichtiger. Simone Egger sagt, es gebe eine Strömung innerhalb der bayerischen Jugend, die auf historische Schnitte und Materialien großen Wert legt – und die werde stärker. Deshalb lasse sich auch nicht sagen, ob und wann die Lederhosen und Dirndln wieder in den Kleiderschränken verschwinden. In Expertenkreisen habe man zu Beginn des neuen Jahrtausends gedacht, die aktuelle Bewegung würde um 2005 wieder nachlassen. Hat sie nicht.

Vielleicht gibt es irgendwann eine Gegenströmung – wenn die Kinder der heutigen jungen Trachtenträger sich von ihren Eltern abgrenzen wollen. So lange allerdings bleibt bayerisch Standard.

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