Eine Woche vor dem neuen Starttermin 6. Mai verloste das Münchner Oberlandesgericht (OLG) am Montag, welche Medien einen reservierten Sitzplatz im Gerichtssaal bekommen. Das OLG hatte das Akkreditierungsverfahren komplett neu gestartet, nachdem das Bundesverfassungsgericht mindestens drei feste Plätze für türkische Medien verlangt hatte. Zunächst waren die Reservierungen nach der Reihenfolge der Anmeldungen vergeben worden. Die türkische Zeitung "Sabah" hatte deswegen Verfassungsbeschwerde erhoben.
In den Lostöpfen befanden sich diesmal 324 Medien. OLG-Präsident Karl Huber bezeichnete das Losverfahren als angemessen und gerecht. Zugleich kritisierte er scharf die "Angriffe", denen das Gericht in den vergangenen Wochen ausgesetzt gewesen sei.
Die Auslosung war von einem Notar unter Ausschluss der Öffentlichkeit vorgenommen worden. Der frühere SPD-Spitzenpolitiker Hans-Jochen Vogel war als Zeuge benannt worden. Erlaubt ist diesmal auch eine Weitergabe einer Reservierung an andere Journalisten. Diesmal hatte das Gericht die 50 festen Plätze in drei verschiedene Kontingente aufgeteilt: für Nachrichtenagenturen (5 Plätze), ausländische Medien (10 Plätze) und inländische Medien (35 Plätze). Für türkische Medien waren vier Plätze reserviert. Zum Zug kamen unter anderem die beiden Zeitungen "Sabah" und "Hürriyet". Diese Medien haben Plätze beim Prozess:
Gruppe 1: In- und ausländische Nachrichtenagenturen (5 Plätze)
Die Angeklagten im NSU-Prozess
Das sind die Beschuldigten im Münchner NSU-Prozess:
Beate Zschäpe: Sie tauchte 1998 gemeinsam mit Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt unter, um einer drohenden Festnahme zu entgehen. Die drei Neonazis aus dem thüringischen Jena gründeten eine Terrorgruppe und nannten sich spätestens ab 2001 Nationalsozialistischer Untergrund (NSU).
Ralf Wohlleben: Der ehemalige Thüringer NPD-Funktionär mit Kontakten zur militanten Kameradschaftsszene soll Waffen für das Trio organisiert haben. Der 40-Jährige wurde am 29. November 2011 verhaftet. Nach Ansicht der Ermittler wusste er von den Verbrechen - er ist wegen Beihilfe zum Mord angeklagt.
Carsten S.: Der 35-Jährige hat gestanden, den Untergetauchten eine Pistole mit Schalldämpfer geliefert zu haben. Er ist wie Wohlleben wegen Beihilfe zum Mord angeklagt.
Andre E.: Der gelernte Maurer (35) war seit dem Untertauchen 1998 einer der wichtigsten Vertrauten des Trios und soll die mutmaßlichen Rechtsterroristen zusammen mit seiner Frau regelmäßig besucht haben. E. ist als mutmaßlicher Unterstützer der Gruppe angeklagt.
Holger G.: Der 40-Jährige gehörte wie Wohlleben und die drei Untergetauchten zur Jenaer Kameradschaft. Er zog 1997 nach Niedersachsen um. G. spendete Geld, transportierte einmal eine Waffe nach Zwickau und traf sich mehrfach mit dem Trio. Auch G. ist als mutmaßlicher Unterstützer der Gruppe angeklagt.
Radio Dienst, Rufa Rundfunk-Agenturdienst, Gruppenloskorb: IHA (Ihlas Haber Ajansi, Türkei), dpa, dpa English Services GmbH
Gruppe 2: Fremdsprachige Medien und deutschsprachige Medien mit Sitz im Ausland (10 Plätze)
ERT (griechischer Rundfunksender), Al Jazeera (Büro Istanbul), Sabah, Hürriyet, Evrensel (Tageszeitung), Radio Lora München (polnischsprachige Redaktion), Svenska Dagbladet, France 2 Berlin, NOS – Niederländischer Rundfunk, Neue Züricher Zeitung
Gruppe 3: Auf Deutsch publizierende Medien mit Sitz im Inland (35 Plätze)
ARD, WDR, Ebru TV, Kabel 1, Deutschlandfunk, BR, SWR, TOP FM, Charivari, Radio Lotte Weimar, BILD, Allgäuer Zeitung, Passauer Neue Presse, Pforzheimer Zeitung, Sächsische Zeitung, Oberhessische Presse Marburg, Stuttgarter Zeitung, Lübecker Nachrichten, Focus, Stuttgarter Nachrichten (Sonntag aktuell), Süddeutsches Magazin, Der Spiegel, Tom Sundermann (freier Journalist), Freie Presse, Straubinger Tagblatt/Landshuter Zeitung, Thüringer Tageszeitung „Freies Wort“, Thüringer Landeszeitung, Viola Volland (freie Journalistin), RTL2, Offenbach Post, ZDF, Hallo-muenchen.de, Hendrik Puls (freier Journalist), Junge Welt, Brigitte