Marga Beckstein hat ihren eigenen Kopf. Beim presseträchtigen Ozapft-Termin auf dem Oktoberfest weigert sich die Frau des Ministerpräsidenten im Dirndl zu erscheinen. Das sorgt mächtig für Empörung.

München (AZ/dpa/ddp) - Marga Beckstein hat ihren eigenen Kopf. Beim presseträchtigen Ozapft-Termin auf dem Oktoberfest weigert sich die Frau des bayerischen Ministerpräsidenten im Dirndl zu erscheinen. Das sorgt mächtig für Empörung.
Es ist der Augenblick auf der Wiesn, an dem Hunderte Kameras knipsen und surren: das traditionelle Ozapft, bei dem Münchens Oberbürgermeister Christian Ude dem bayerischen Ministerpräsidenten die erste Maß reicht. Gerade in weiß-blauen Wahlkampfzeiten ein Garant für ein pfundiges Bild. Es könnte so schön werden, wie immer. Würde nicht eine auf die Barrikaden gehen. Und das ist ausgerechnet Günther Becksteins Ehefrau Marga.
Die weigert sich nämlich, für den Wiesn-Auftritt ein fesches Dirndl anzuziehen und löst damit fast eine kleine Staatsaffäre aus. Die Münchner Frauenunion zumindest zeigt sich äußerst verstimmt. Gegenüber der Abendzeitung moniert Elisabeth Schosser, resolute Chefin der Münchner CSU-Frauen: "Ich halte es für angebracht, dass Frau Beckstein beim Anzapfen ein Dirndl trägt. Als First Lady hat sie Vorbildcharakter. Dazu gehört auch das Tragen der Tracht."
Trachtler zeigen sich enttäuscht von der Dirndl-Ablehnung
Auch Inge Zehetmeier, Ehefrau des ehemaligen zweiten Bürgermeisters von München Winfried Zehetmeier, ist entsetzt. Als Frau des Ministerpräsidenten müsse Marga Beckstein im Dirndl kommen. "Im Hosenanzug, das kann sie sich nicht leisten", sagt sie gegenüber der Abendzeitung.
Bei den Trachtlern sorgte Marga Becksteins Ankündigung ebenfalls fürMissmut. «Die Wiesn ist die Wiesn - und da gehört ein Dirndl dazu»,befand der Vize-Chef des Bayerischen Trachtenverbands, Adi Müller, imddp-Interview. Es «würde sich schon gehören», dass die «Landesmutter»im Dirndl auf die Theresienwiese gehe. Wenn die gebürtige Nürnbergerinkein altbayerisches Dirndl tragen wolle, könne sich «auch einfränkisches Trachtengewand anziehen», schlug Müller vor. Gerade für diefränkische Region sei das Signal wichtig, dass der Ministerpräsidentund seine Gattin in traditionellem Gewand auftreten. Dort sei dieTracht «nicht mehr so im Vordergrund».
Doch auch Müller weiß schon länger, «dass die Frau Beckstein nicht so fürdiese Sachen steht». Der Trachtenvereins-Vize findet, die Begeisterungfür das Dirndl sei eine Frage der Einstellung. «Das muss von innen rauskommen.» Müller fürchtet sogar den Einfluss von Marga Beckstein aufihren Mann. Dem Trachtler ist nämlich zu Ohren gekommen, dieMinisterpräsidenten-Gattin solle sogar schon einmal verhindert haben,dass ihr Mann in Tracht gehe. So habe Beckstein beim Fest der Frankenin Miltenberg nicht den Trachtenanzug angehabt, den ihm derTrachtenverband Unterfranken geschenkt hatte. «Da waren wir etwasenttäuscht», sagte Müller.
Unterstützung bekommt Marga Beckstein vom Wirte-Sprecher
Marga Beckstein hingegen lässt jegliche Kritik an ihrem modischen Auftreten kalt. Gegenüber dem Münchner Blatt betonte die Ministerpräsidenten-Gattin, dass man kein Dirndl anhaben müsse und sie auch keins anziehen werde. Und auch ihr Mann erklärte, dies sei die Entscheidung seiner Frau.
Unterstützung erhält die Frau des bayerischen Regierungschefsausgerechnet von Wiesn-Wirte-Sprecher Toni Roiderer. «Mir is desvollkommen wurscht», sagt er abwinkend. Tradition hin oder her - dieDirndl-Verweigerung ist für Roiderer eine Frage der«Persönlichkeitsrechte» und «der Frau Beckstein ihre eigeneEntscheidung». «Da sollte man sich nicht einmischen.» Ähnlich hält esoffenbar die Festleitung, die sich lieber gar nicht zu der Debatteäußern wollte.
Marga Beckstein ist keine typische "Landesmutter" - vor allem nicht in Bayern. Sie hat trotz ihrer drei Kinder den Beruf nie aufgegeben und Karriere gemacht. An Wahlkampfauftritten nimmt sie "in erster Linie meinem Mann zuliebe".
Die momentane Enttäuschung über Margas Plan, kein Dirndl zu tragen, wird sich nach Überzeugung ihres Gatten spätestens beim Anstich in zwei Wochen zerstreuen: »Ich bin mir sicher, Sie werden sagen: Oh, da hat sie was Schönes gefunden.»
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