Der Mord an den Kraillinger Mädchen Chiara und Sharon hatte im vergangenen Frühjahr ganz Deutschland erschüttert: Dringend tatverdächtig ist ein Onkel, der sich in der Nacht zum 24. März 2010 in die unversperrte Wohnung eingeschlichen und seine acht- und elfjährigen Nichten brutal ermordet haben soll.
Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Mann "heimtückisch und aus Habgier" mordete, weil er auf das Erbe seiner Schwägerin spekulierte, die er nach Einschätzung der Ermittler ebenfalls umbringen wollte. Die Tatwerkzeuge: Hantelstange, Messer und Strick.
"Es ist eine Fülle von Indizien, die uns zu diesem Ergebnis bringt", sagt Oberstaatsanwältin Andrea Titz. "Wir gehen davon aus, dass er erwartet hat, die Mutter im Laufe des Abends noch anzutreffen." Doch die Schwägerin half in der Musikkneipe ihres Freundes, nur etwa 100 Meter von der Wohnung entfernt. Als sie am frühen Morgen von der Arbeit nach Hause kam, fand sie ihre toten Kinder. Sie und ihr Freund zogen sich nach der Tat vollkommen zurück, stehen seitdem nicht mehr hinter dem Tresen. Freunde und Bekannte betreiben vorerst die beliebte Musikkneipe weiter.
Der Postbote hatte die Tat in ersten Vernehmungen bestritten, seitdem schweigt er. Es steht also ein Indizienprozess bevor. In der Kraillinger Wohnung der Opfer waren viele DNA-Spuren des Angeklagten gefunden worden, unter anderem an den Leichen der Kinder und den mutmaßlichen Tatwaffen, der Hantelstange und dem Messer. Auch ein Seil stammte den Ermittlungen zufolge von dem Onkel. Seine Frau hält ihn für schuldig - und hat das auch in einem Interview gesagt. Sie ist inzwischen geschieden.
Am 17. Januar 2012 beginnt nun vor dem Landgericht München II der Prozess gegen den Beschuldigten. Der Vorsitzende Richter am Landgericht München II, Ralph Alt, wird den Prozess führen. Alt hatte erst im Frühjahr 2010 den Nazi-Helfer John Demjanjuk wegen Beihilfe zum Mord an mindestens 28 060 Juden zu fünf Jahren Haft verurteilt, ebenfalls in einem Indizienprozess - wenngleich mit ungleich schwierigerer Thematik.
Biisher sind 13 Prozesstage bis zum 27. März 2012 angesetzt. Ob dann das Urteil gesprochen werden kann, ist aber offen. Die Staatsanwaltschaft hat dem Gericht neben zahlreichen weiteren Beweismitteln immerhin 54 Zeugen und 9 Sachverständige benannt, darunter einen Mithäftling. AZ, dpa