Adelzhausen Asina war eine fleißige Arbeitskuh. Dann sprang sie Mitte November vergangenen Jahres von ihrem Verladetransporter und versteckte sich in den Wäldern um Adelzhausen. Seitdem ist Besitzer Josef Engelhardt auf der Suche nach ihr – bis zu 24 Stunden am Tag.
Im Dienste der Firma Autobahnplus knabberte Asina zusammen mit rund 70 Artgenossen der Gattung schottisches Hochlandrind das Gras neben der Autobahn A8 zwischen Adelzhausen und Odelzhausen ab. Dieses deutschlandweit einzigartige Projekt soll laut Autobahnplus-Geschäftsführer Hermann Wenzel den Erhalt einer möglichst großen Artenvielfalt auf Ausgleichsflächen neben der Autobahn garantieren. Das gelinge dadurch, dass die jeweiligen Wiesen nicht mit ausgewählten Pflanzen eingesät würden, sondern man wachsen ließe, was dort auf natürlichem Weg wachse. Die Hochlandrinder eignen sich für diese Aufgabe, weil sie bei der Futterauswahl unkritisch seien und das ganze Jahr auf der Weide bleiben könnten, erklärt Viehbesitzer Engelhardt.
Bleiben könnten – aber im Fall von Asina wohl nicht wollten. Engelhardt war von dem Ausbruch der ansonsten schüchternen Kuh überrascht: „Sie sprang heldenhaft vom Transporter, durchbrach einen Zaun und suchte, erschreckt vom verursachten Lärm, das Weite.“ Derartige Fluchtversuche kämen hin und wieder vor, allerdings kehrten die meisten Rinder innerhalb weniger Stunden zur Herde zurück. Asina habe wohl die Orientierung verloren, als der Sichtkontakt zur Herde nicht mehr bestanden habe.
Deshalb betätigt sich der niederbayrische Viehbesitzer jetzt als Spurenleser: Hufabdrücke sowie Wärme und Zersetzungsgrad der hinterlassenen Kuhfladen sollen ihn zu Asina führen. Dabei fürchtet er einen Medienaufruhr, wie er im vergangenen Sommer um die Kuh Yvonne entbrannt war.
Erinnerungen an Kuh Yvonne werden wach
Auch sie war ihrem Besitzer entwischt und versteckte sich monatelang in oberbayerischen Wäldern. Selbst ausländische Medien berichteten damals über das abenteuerlustige Hausrind. Wenn das öffentliche Interesse zu groß wird und zu viele Menschen nach Asina suchen, dann könnte das Rind nervös werden und ständig seinen Aufenthaltsort ändern, befürchtet Engelhardt.
Gefährlich für Menschen sei Asina nicht, sollte sie sich allerdings in die Nähe von Straßen begeben und eine Unfallgefahr bestehen, würde Engelhardt die Abschusserlaubnis geben. Derzeit bestehe dazu noch keine Notwendigkeit. Im Falle eines Unfalls wäre Engelhardt aber als Besitzer haftbar. Das momentane Ziel sei, Asina zu finden, mit einem Spezialgewehr zu betäuben und sie auf einen Transporter zu verladen. Die einzige Gefahr für Asinas Leben sei der Strick um ihren Hals, mit dem sie sich im Unterholz verfangen könnte. Nahrung fände sie im Wald genug, vor allem, da derzeit die Wildschweine angefüttert würden.
Das Schicksal Yvonnes – ein Gnadenbrot auf Gut Aiderbichl – steht Asina nicht in Aussicht, sollte sie gefasst werden. Denn die Rinderdame ist derzeit trächtig. Und nachdem sie gekalbt haben, werden schottische Hochlandrinder in der Regel geschlachtet.