Nach dem weltweiten Erfolg des Highschool-Musicals bekommt nun Deutschland sein eigenes. Dies wird momentan in Passau gedreht.



Passau. Miley Cyrus, Zac Efron, Ashley Tisdale - manche Eltern dürften alleine schon damit Probleme haben, die Namen dieser derzeitigen Superhelden ihres Nachwuchses auszusprechen. Geschweige denn, dass sie den Überblick über die vielen singenden, tanzenden, schauspielernden und natürlich blendend aussehenden Teenie-Idole behalten könnten.
Vor allem der Disney-Konzern hat in den vergangenen Jahren Dank der Neuentdeckung des Musicals Jungstars am laufenden Band geschaffen und perfekt vermarktet, allen voran die Darsteller aus den Kino- und TV-Hits «Hannah Montana» und «High School Musical». Jetzt bekommt auch Deutschland seinen eigenen Disney-Musical-Film. Er wird den Titel «Rock It» tragen, am 18. Februar 2010 in die Kinos kommen, und soll ein bisschen anders aussehen als seine US-Vorbilder.
«Es wird diesen Musical-Filmen ja oft nachgesagt, dass das alles ganz klinisch rein ist, dass da gar nichts groß passiert und alles ist Friede-Freude-Eierkuchen», sagt «Rock It»-Regisseur Mike Marzuk. «Aber unsere Hauptdarstellerin steckt in einem wirklichen Konflikt und macht eine wirkliche Helden-Wandlung durch.» Der Film soll laut Marzuk vor allem Kinder zwischen sechs und vierzehn Jahren ansprechen. Derzeit wird unter anderem in Passau gedreht.
Die Geschichte gleicht ihren Vorbildern wie zum Beispiel der Serie über das Mädchen Hannah Montana, die tagsüber die brave Schülerin mimt und sich abends in einen Rockstar verwandelt. In «Rock It» lässt sich die junge Julia - gespielt von der 16 Jahre alten Emilia Schüle - auf ein Doppelleben ein. Ihre Eltern wollen sie zu einer Karriere als klassische Pianistin bewegen. Während ihrer Zeit in einem Musikinternat verliebt sie sich in Nick (Daniel Axt). Der ist Sänger in einer Rockband. Für ihn erfindet sie ihre zweite Identität «Toni» und mag Rockrhythmen schließlich viel lieber als Partituren. Ihre Eltern macht sie damit gar nicht glücklich.
«Wenn man in Deutschland ein Musical erzählen will, dann muss man versuchen, Authentizität hineinzubringen und etwas eigenes zu erzählen», beschreibt Produzent Andreas Ulmke-Smeaton. Vor allem die Tatsache, dass die Songs auf Deutsch und nicht Englisch gesungen werden, schaffe eine solche Identität. «Die Kids verstehen eins zu eins, worum es geht. Sie können die Emotionen nachvollziehen.»
Die Geschichte habe man bewusst anders angelegt, als in den meist ziemlich harmlosen US-Varianten, sagt Ulmke-Smeaton: «Diese Geschichte muss letztendlich hier spielen: Wir haben ein klassisches Musikinternat, wo High-Culture-Werte gelten, und auf der anderen Seite die Rockmusik. Unsere Hauptdarstellerin ist hin- und hergerissen zwischen diesen Welten. Sie will raus und leben. Sie ist sozusagen 'ready to rock', will ausbrechen und kein Leben führen, das auf Drill ausgerichtet ist. Das sind Gegensätze, die schon auch etwas typisch Deutsches sind.»
Schon Disney hat in den deutschsprachigen Versionen seiner Musikfilme häufiger auf lokale Bezüge gesetzt. So ist in der übersetzten Variante des Disney-Channel-Films «Camp Rock» die deutsche Band Killerpilze zu hören. Vor Ort sollen eigene Stars aufgebaut werden, erklärte Disney-Channel-Europachef John Hardie dazu. Bei Disney kam die Idee von SamFilm, endlich ein deutsches Teenie-Musical zu drehen, daher gut an. Ulmke-Smeaton brachte als Produzent der «Wilden Kerle»-Reihe Erfahrung mit.
«Wir kamen darauf, weil wir gesagt haben: Das liegt in der Luft. Wenn wir es jetzt nicht entwickelt hätten, dann hätte es früher oder später jemand anderes gemacht», sagt Ulmke-Smeaton. Zwar seien die «High School Musical»-Folgen durchaus Vorbilder, es werde aber deutliche Unterschiede geben.
Eine zweite Miley Cyrus - Star aus «Hannah Montana» - will Hauptdarstellerin Emilia Schüle auch auf keinen Fall werden, beteuert sie. Die Serie selber hat sie noch nie gesehen, die «High School Musical»-Folgen haben ihr nicht besonders gefallen: «Ich finde es prinzipiell schön, wenn Geschichten so musikalisch erzählt werden. Aber ich muss auch sagen, ich finde das wahnsinnig amerikanisch und wahnsinnig überzogen. Da ist der Bezug zur Realität bei uns einfach viel größer.»
Klischees wird es trotzdem geben, das gibt auch Marzuk zu. Schließlich ist der Film für Kinder und junge Teenies und soll kein Drama, sondern eine witzige, unterhaltsame Geschichte sein. Unter anderem spielt Comedian Markus Maria Profitlich mit. Und noch etwas wird es geben, was in den US-Bildern nicht selten aus Sauberkeits-Gründen fehlt: Einen echten Kuss.
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