Staatsgemäldedirektor Klaus Schrenk verlangte am Montag eine Entschuldigung vom Grünen-Landtagsabgeordneten Sepp Dürr, der ihn der Lüge beschuldigt hatte. Die beleidigenden Äußerungen entbehrten jeder Grundlage. "Er sollte sich öffentlich entschuldigen", hieß es in einer Mitteilung der Staatsgemäldesammlungen.
Dürr sagte dazu auf Anfrage: "Ich wollte nicht Herrn Schrenk persönlich angreifen und auch nicht die Arbeit der Staatsverwaltung kritisieren." Ziel seiner Kritik seien die Politiker - Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU), Finanzminister Markus Söder (CSU), Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch und andere - die sich zunächst für die Ausleihe stark gemacht hätten "und sich jetzt hinter einem aus dem Hut gezauberten Gutachten verstecken".
Der Auslöser: Schrenk hatte die Nürnberger zunächst fälschlich beschuldigt, sie hätten Dürers "Selbstbildnis im Pelzrock" bei der letzten Ausleihe im Jahr 1971 beschädigt. Dürr hatte dann am vergangenen Mittwoch gesagt: "Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht mehr. Wie soll ich so einer verlogenen Bagage noch was glauben?" Der frühere Grünen-Fraktionschef räumte ein, das Wort Bagage sei "etwas überzogen" gewesen.
Schrenk hat sich auf die Restauratoren verlassen
Schrenk seinerseits argumentierte, er habe sich bei seiner falschen Auskunft auf eine Stellungnahme der Münchner Restauratoren aus dem Jahr 1999 verlassen. "Nachdem die Chefrestauratoren aus Nürnberg und München bei einer Untersuchung der Holztafel am 10. Februar 2012 zu der Auffassung gelangten, dass der angesprochene Schadensverlauf bereits vor 1934 entstanden sein musste, wurde diese neue Erkenntnis umgehend öffentlich bekanntgegeben."
Die Ausleihe war letztlich gescheitert, weil das neue Gutachten ergeben hatte, dass das mehr als 500 Jahre alte Bild in schlechtem Zustand ist und bei einem Transport weitere Schäden drohen. An der Expertise war auch der Chefrestaurator des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg beteiligt, an das das Werk ausgeliehen werden sollte. dpa-lby