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Müller-Brot: Verträge unterschrieben: Eva Müller will Produktion schrittweise wieder aufnehmen

Müller-Brot: Verträge unterschrieben

Eva Müller will Produktion schrittweise wieder aufnehmen

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     Die Tochter des Firmengründers Hans Müller, Eva Müller will die Produktion in Neufahrn sukzessive wieder aufnehmen.
    Die Tochter des Firmengründers Hans Müller, Eva Müller will die Produktion in Neufahrn sukzessive wieder aufnehmen. Foto: dpa

    Bei der insolventen Großbäckerei Müller-Brot soll die Produktion schrittweise wieder hochgefahren werden. Allerdings existiert bei den neuen Eigentümern von knapp 150 Filialen bereits ein Plan B, sollte die Aufnahme der Produktion am bisherigen Standort in Neufahrn bei Freising nicht möglich sein. Dies sagte Eva Müller, die Tochter von Firmengründer Hans Müller, am Freitag in Neufahrn. Plan B sieht offenbar die Produktion an anderen Standorten vor.

    Produktion steht seit Ende Januar still

    Die unendliche Geschichte um Müller-Brot

    9. Juli 2009: Eine Spezialeinheit des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) nimmt die Brotfabrik erstmals unter die Lupe. Bis Ende 2011 folgen weitere sechs Überprüfungen der Task Force und etliche Kontrollen von Spezialisten des Landratsamtes Freising. Die Kontrolleure stellen gravierende Mängel fest, es wurden mehrfach Waren zurückgerufen und vernichtet sowie Bußgelder verhängt, darunter zweimal 25.000 Euro. Die Öffentlichkeit erfährt von den Hygienemängeln in der Backfabrik allerdings jahrelang nichts.

    10. Mai 2011: Wegen der anhaltenden Probleme schaltet das Landratsamt die Staatsanwaltschaft ein. Sie ermittelt wegen des Inverkehrbringens von Lebensmitteln, die für den Verzehr durch den Menschen ungeeignet sind. Die Verbraucher ahnen davon weiter nichts.

    30. Januar 2012: Das Landratsamt vereinbart mit Müller-Brot wegen «der mangelhaften Grundhygiene» einen Produktionsstopp. Die Bürger werden noch immer nicht über die Hygieneprobleme informiert.

    1. Februar: Als nach zwei Tagen erste Berichte über Lieferschwierigkeiten bei Müller-Brot die Runde machen, wird die Öffentlichkeit von der Geschäftsführung zunächst falsch informiert: Es wird behauptet, ein Feuer habe die Produktion lahmgelegt. Das Landratsamt gibt dann als Grund der vorübergehenden Stilllegung der Fabrik Hygienemängel an.

    2. Februar: Nach und nach wird die ganze Dimension des Skandals bekannt. Die Kreisbehörde spricht nun davon, dass bei der jüngsten Kontrolle «Schädlinge in erheblichem Umfang in den Betriebsräumen und starke Verschmutzungen bei den für die Lebensmittelherstellung eingesetzten Geräten» festgestellt worden seien.

    3. Februar: Es werden immer mehr unappetitliche Details bekannt: Bei den «Schädlingen» handelte es sich um Mäuse, deren Kot die Kontrolleure fanden. Auch Motten und Kakerlaken gab es dort.

    16. Februar: Müller-Brot ist pleite und meldet Insolvenz an. Rund 1250 Mitarbeiter und 250 Pächter von Filialen sind davon betroffen.

    17. Februar: Nach dreiwöchigen Reinigungsarbeiten in der Backfabrik kontrollieren 18 Spezialisten der Lebensmittelüberwachung die Produktionsanlagen. Sie stellen erneut Hygienemängel fest und lehnen eine Freigabe des Werks ab.

    19. März: Sämtliche Maschinen wurden zerlegt und gereinigt, Leitungen erneuert und Wände neu gefliest - Müller-Brot hat die Fabrik, so groß wie sieben Fußballfelder, umfassend erneuert. Wieder rücken die Prüfer der Lebensmittelüberwachung an, aber ihr Urteil ist vernichtend: Abermals seien «Mäusekot und tote Schaben» gefunden worden, die Fabrik bleibt geschlossen.

    20. März: Für Müller-Brot gibt es praktisch keine Hoffnung mehr: Insolvenzverwalter Hubert Ampferl kündigt an, dass er für eine Sanierung der Backfabrik kein Geld mehr habe. Ihm geht es nun primär darum, wenigstens die Filialen zu verkaufen.

    26. März: Ampferl gibt bekannt, dass zwei Investoren das Unternehmen kaufen wollen. Schon damals dürfte es sich bei ihnen um den bisherigen Eigentümer Klaus Ostendorf und den Münchner Bäcker Franz Höflinger zusammen mit der Tochter des Firmengründers, Eva Müller, gehandelt haben.

    29. März: Überraschend bekommt Ostendorf von den Gläubigern den Zuschlag für den Rückkauf seiner Brotfabrik - doch 700 Mitarbeiter sollen das Unternehmen verlassen. Zuvor waren 400 Beschäftigte in München für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze auf die Straße gegangen. Auf einem Transparent stand: «Ostendorf hat uns kaputt gemacht».

    3. April: Ostendorf verkündet das Scheitern des Rückkaufes und begründet die neuerliche Wende mit der Verhandlungsführung von Ampferl sowie mit öffentlichem Druck.

    5. April: Höflinger und Müller übernehmen das Filialnetz von Müller-Brot. Erst danach soll über den Kauf der Brotfabrik verhandelt werden. Voraussetzung dafür soll die Freigabe der Produktion durch die Behörden sein.

    6. April: Höflinger und Müller stellen ihre weiteren Pläne vor.

    Eva Müller und der Münchner Bäcker Franz Höflinger unterschrieben am Donnerstagabend die Verträge zur sofortigen Übernahme von 148 Müller-Brot-Filialen mit 435 Mitarbeitern. Wegen Hygieneproblemen war die Brotfabrik am 30. Januar geschlossen worden. Am 16. Februar meldete der frühere Eigentümer Klaus Ostendorf Insolvenz an.

    Die bestehenden Produktionshallen können nach Worten Müllers problemlos verkleinert werden. "Wir wissen, wie Brotbacken geht, dazu brauchen wir keine Produktionslinien." Höflinger ergänzte, dass der Betrieb auch ohne jene hochleistungsfähige Backstraße möglich sei, die nach wie vor Ostendorf gehört. Nach Ostern sollen Verhandlungen zum Kauf der Fabrik aufgenommen werden. Allerdings seien die bisherigen Eigentumsverhältnisse nicht eindeutig geklärt, sagte Höflinger.

    Neue Besitzer wollen Vertrauen zurückgewinnen

    Die neuen Besitzer wollen über handwerkliche Qualität Vertrauen bei den Kunden zurückgewinnen. "Dieses Vertrauen ist mit Füßen getreten worden", sagte Müller. Sie wolle wieder eigene Produkte nach alten Rezepten backen, erläuterte Müller. Dazu gehöre auch "die einzigartige Müller-Breze". Zunächst wollen Müller und Höflinger mit rund 100 Mitarbeitern in der Produktion anfangen und die Beschäftigtenzahl dann sukzessive erhöhen. Der Name Müller-Brot solle bleiben, allerdings sei eine Änderung des Firmenlogos denkbar. Müller will die Verträge zum Kauf der Fabrik auch dann unterschreiben, wenn die Freigabe durch die Lebensmittelbehörden noch nicht erfolgt ist. dpa/lby/AZ

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