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Kunstfehler: Frauen wurden unfruchtbar - Arzt vor Gericht

Kunstfehler

Frauen wurden unfruchtbar - Arzt vor Gericht

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    Symbolbild Foto: Symbolbild dpa

    Wegen Kunstfehlern muss sich ein Frauenarzt seit Montag vor Gericht verantworten. Vier junge Frauen sollen nach einer Behandlung bei dem 60 Jahre alten Gynäkologen unfruchtbar geworden sein. Eine fünfte entging diesem Schicksal nur knapp. Zwei der Patientinnen waren wegen eines unerfüllten Kinderwunsches zu ihm gekommen. Der Arzt soll bei den Frauen medizinisch nicht gebotene und fehlerhafte Eingriffe vorgenommen haben.

    Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann fahrlässige Körperverletzung in fünf Fällen vor. Gegen den Arzt wird voraussichtlich drei Tage lang vor dem Amtsgericht München verhandelt.

    Der 60-Jährige soll bei den damals 24 bis 26 Jahre alten Patientinnen in den Jahren 2005 bis 2007 Bauchspiegelungen gemacht haben. Dabei habe er - ohne medizinischen Grund - Gewebe beider Eierstöcke entnommen - eine Methode, die laut einem Gutachten in Deutschland schon 1978 als riskant und ohne Aussagekraft verworfen wurde.

    Der Eingriff habe "keinen diagnostischen oder therapeutischen Sinn", sagte der Staatsanwalt. Bei vier Frauen seien die Eierstöcke irreparabel geschädigt worden und die Frauen damit unfruchtbar. Die jungen Frauen wünschten sich Kinder. Zwei von ihnen hatten sich dem Frauenarzt ausschließlich wegen der noch nicht eingetretenen Schwangerschaft anvertraut.

    Die Ermittlungen gegen den Gynäkologen kamen durch einen Entschädigungsprozess in Gang: Eine Zivilkammer des Landgerichts hatte die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung eingeschaltet. In seither vier Schmerzensgeldverfahren ist nach Auskunft der Verteidigung ein Vergleich geschlossen worden. Die Versicherung des Arztes zahle insgesamt "einen Betrag im oberen sechsstelligen Bereich". Eine der Frauen hat inzwischen Zwillinge zur Welt gebracht - dank einer Ei-Spende im Ausland.

    Der Angeklagte sagte, die Eingriffe seien "medizinisch geboten" gewesen, um die Ursachen der Kinderlosigkeit abzuklären. Er habe eine 35-jährige Operationserfahrung. "In keinem Fall hat ein solcher Eingriff zur Sterilisation geführt." Der Anwalt des Arztes zitierte aus einem Privatgutachten, wonach die Gewebeentnahme aus den Eierstöcken "weltweit mancherorts" noch durchgeführt werde.

    "In Deutschland wird das nicht gemacht", konterte der Sachverständige, Professor Joachim Martius. Nur ein "ganz harter Befund" - etwa Verdacht auf einen Tumor - rechtfertige die Entnahme einer Probe aus einem gesunden Gewebe. dpa

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