Mittwoch, 29. Juni 2016

01. November 2010 17:02 Uhr

Allgäu

Google Street View startet Dienst in Deutschland

Google Street View vor dem Start in Deutschland: Der Markt Oberstaufen wird der erste Ort sein, der in dem umstrittenen Dienst zu sehen ist. Von Thomas Hilgendorf und Christian Steinmüller

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Google Street View vor dem Start in Deutschland: Die Marktgemeinde Oberstaufen (Oberallgäu) wird ab Dienstag, Punkt 10.30 Uhr, der erste Ort in Deutschland sein, der in dem umstrittenen Dienst zu sehen ist - noch vor Metropolen wie Berlin oder München.

Gemeinsam mit dem Kurort am Rande der Alpen werden lediglich einige Wahrzeichen wie die Allianz-Arena oder das Brandenburger Tor als eine Art Vorpremiere freigeschaltet.

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In dem umstrittenen Google Street View-Projekt sieht Oberstaufens Bürgermeister Walter Grath "gar kein Problem". In Oberstaufen - der Ort ist laut Aussage von Bürgermeister Grath ein klarer Befürworter des umstrittenen Internet-Angebots - wird am Dienstag eigens dafür eine symbolische Hochzeit gefeiert. Offiziell. Samt Google-Sprecher Kay Oberbeck und einer Hochzeitstorte. Schließlich fing mit einem kleinen Backwerk im August auch alles an. 300 Gramm Mehl, 200 Gramm Butter, 100 Gramm Zucker, zwei Kilo Quark und etwas Schokolade garniert mit Zuckerguss.

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Dass die Staufner Gastgeberin Silvia Barber mit ihrem Backwerk für den wohl größten Medien-Coup des Kurorts sorgen würde, war ihr wohl nicht bewusst. Sie knipste die Torte mit der Aufschrift "Street-View Willkommen in Oberstaufen" - und ein paar Tage darauf war der Ort samt Torte bei ZDF, RTL, SAT 1 und anderen in aller Munde. Und wiederum war eine heiß diskutierte Plattform im Internet verantwortlich für die rasche Vermarktung der Google-Torte. Die Oberstaufener Tourismus-Manager hatten das Bild der Willkommenstorte nämlich auf ihre Facebook-Seite gestellt.

Google habe das Gebäck und die süßen Grüße gefallen in einer Zeit, als die Bürger Sturm liefen gegen die vermeintlichen Überwachungsbilder - so berichtet Bürgermeister Grath über die Anfänge der Beziehung zwischen dem 7300-Einwohner-Städtchen im Allgäu und der weltgrößten Suchmaschine. "Google ist auf uns zugegangen".

"Wir waren wie ein gallisches Dorf", berichtet der Bürgermeister weiter. War doch der Tenor um das Street-View-Angebot negativ behaftet. Datenschutz und rechtliche Fragen beschäftigten im Sommer die Gemüter. Denn während Google Straße für Straße und Haus für Haus abfotografierte, wollte nicht jeder die Fassade des eigenen Heims im Netz sehen. Grath hält unterdessen optimistisch dagegen: "Wir haben nichts zu verbergen."

Bei der Oberstaufen Tourismus und Marketing GmbH (OTM) hatte man die Gunst der Stunde schlichtweg erkannt - und genutzt. "Die ganze Bevölkerung war dagegen, aber was kann uns denn besseres passieren, als dass jemand kommt, den Ort fotografiert und kostenlos ins Netz stellt." Die Argumente liegen für OTM-Geschäftsführerin Bianca Keybach klar auf der Hand.

So war im Team der OTM die Idee mit der Torte entstanden. Foto samt Staufner Standpunkt wurden in sozialen Netzwerken im Internet veröffentlicht, und die Kunde "verbreitete sich wie ein Lauffeuer" in der Medienlandschaft, erinnert sich Keybach. Prompt waren sie als Tourismus-Chefin, Silvia Barber als Bäckerin und schließlich der Ort Oberstaufen in Funk und Fernsehen. Dadurch wurde auch das Unternehmen Google auf Oberstaufen aufmerksam und erkor die Gemeinde als ersten Ort aus, durch den man in Deutschland via Google-Street-View virtuell spazieren kann.

Diese Liaison mündet nun in einer symbolischen Hochzeit. Am Dienstag um 10.30 Uhr wird Google-Sprecher Kay Oberbeck gemeinsam mit Bianca Keybach im Staufner Kurpark die Hochzeitstorte anschneiden. Zeitgleich wird Oberstaufen per Knopfdruck für Street-View freigegeben. Unterm Strich: "Ein Werbeeffekt, den man nicht in Euro und Cent messen kann", hofft Bürgermeister Grath. Google bestätigte den Startschuss am Montag noch nicht offiziell. Von Thomas Hilgendorf und Christian Steinmüller

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