Donnerstag, 17. April 2014

20. November 2012 07:25 Uhr

München

Hauskrach in der SPD nach Facebook-Eintrag

Der Kommentar des Regener Landrats Michael Adam war nur wenige Stunden online. Die kurze Zeit hat gereicht, um in der bayerischen SPD einen heftigen Hauskrach auszulösen.

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Der Regener Landrat Michael Adam (SPD) in seinem Büro im Landratsamt. Archivbild
Foto: Armin Weigel dpa

Der Kommentar war nur wenige Stunden online. Die kurze Zeit hat gereicht, um in der bayerischen SPD einen heftigen Hauskrach auszulösen. Was war passiert? Mit einem Wuteintrag auf der Facebook-Seite einer Parteigenossin hatte sich der Regener SPD-Landrat Michael Adam Luft gemacht und die eigene Parteiführung scharf kritisiert. Der 27-Jährige wetterte vor allem gegen Landeschef Florian Pronold (39), dem er Realitätsverlust und Egoismus vorwarf.

Adam schrieb im Facebook-Eintrag von Mauschelei

Vorausgegangen war eine Nominierungsversammlung der Niederbayern-SPD, bei der die Reihung der Bundestagsliste festgelegt wurde. Pronold hatte dabei seine Wunschkandidatin Rita Hagl-Kehl (42) für Platz eins auf der Frauenliste durchgesetzt. Adam wiederum, der auch niederbayerischer SPD-Bezirksvorsitzender ist, hatte die erst 25 Jahre alte stellvertretende Juso-Bundeschefin  Johanna Uekermann favorisiert. Adam schrieb später in dem inzwischen gelöschten Facebook-Eintrag von Mauschelei. Wörtlich hieß es: „Ich sehne den Tag herbei, an dem die nächste SPD-Bezirkskonferenz einen neuen Bezirksvorsitzenden wählt. Ich habe mich lange genug verstellt. Habe lange genug alles schön geredet. Habe mir lange genug meinen Teil zur Münchner Obrigkeit gedacht.“ Er mache nicht länger „den Trottel für gewisse Leute“ in der Partei.

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Adam nahm Kritik an SPD-Spitze nicht zurück

Adam nahm seine Kritik gestern nicht zurück, bedauerte jedoch, dass sie öffentlich wurde. Seine Ausführungen zur bayerischen SPD-Spitze seien als Beitrag zur parteiinternen Diskussion gedacht gewesen. „Aus Solidarität mit meiner Partei möchte ich den bereits in den Medien zitierten Passagen ansonsten nichts hinzufügen“, erklärte der Landrat auf seiner eigenen Facebook-Seite.

Adam ging aber auch auf Distanz zur eigenen Partei. Er habe bereits vor einigen Monaten darum gebeten, seine Parteiämter schnellstmöglich abgeben zu dürfen. Er sehe sich auch in keinster Weise als Nachwuchshoffnung und habe keinerlei landes- oder bundespolitische Ambitionen. Adam war 2008 mit gerade 23 Jahren in Bodenmais im Bayerischen Wald zum damals jüngsten Bürgermeister Deutschlands gewählt worden. Seitdem ist er im Freistaat bekannt – als junger, evangelischer, offen schwuler Sozialdemokrat im tiefschwarzen Niederbayern. Im November 2011 wurde er Landrat im Kreis Regen.

"Emotionen hochgekocht"

Der SPD-Fraktionschef im Landtag, Markus Rinderspacher, sagte zu den heftigen Attacken Adams, hier seien „offensichtlich Emotionen hochgekocht“. Etwas mehr Besonnenheit, so Rinderspacher gegenüber unserer Zeitung, wäre erforderlich gewesen. Die Bayern-SPD sei gut beraten, sich der Sachpolitik zu widmen. Schwabens SPD-Vorsitzender Harald Güller (Neusäß) sprach von einer regionalen Angelegenheit. „Da ist nichts, was von bayernweiter Relevanz wäre.“

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