Die Nachfrage nach ökologisch erzeugten Nahrungsmitteln ist groß: Geflügel, Eier und Gemüse werden gebraucht. Deshalb werden viele Bauernhöfe in Bayern als Biobetriebe geführt. Von Manuela Mayr

Die Landwirtschaft ist auf dem Rückzug. Doch der Ökolandbau setzt seinen Siegeszug fort. Rund sechs Prozent aller schwäbischen Bauernhöfe werden mittlerweile als Biobetriebe geführt, in Oberbayern sind es sieben Prozent. Beide Regierungsbezirke liegen über dem Bundesdurchschnitt, der 2010 bei fünf Prozent lag.
Franz Högg vom Amt für Landwirtschaft Krumbach, der seit zwei Jahren für die staatliche Beratung der Biobauern in ganz Schwaben zuständig ist, freut sich über die Entwicklung. In den letzten fünf Jahren war ein Zuwachs von 48 Prozent auf jetzt 1220 Betriebe zu verzeichnen.
Wie aus der unten abgedruckten Tabelle zu entnehmen ist, gab es vor allem in der Grünlandregion im Süden – und dort besonders in den Landkreisen Ostallgäu und Oberallgäu – im vergangenen Jahr einen auffallenden Schub. Im Allgäu sind inzwischen 75 Prozent aller schwäbischen Ökobetriebe angesiedelt. Entscheidend ist die Nachfrage nach Biomilch. Während diese 2009 noch verhalten gewesen sei, habe sich die Perspektive für Umsteller jetzt spürbar verbessert, erklärt der Berater.
Sieben Cent mehr pro Liter Milch sichern die Wirtschaftlichkeit
Abnehmer von Biomilch in der Region sind die Andechser Molkerei Scheitz und die Molkereien Zott in Mertingen und Gropper in Bissingen. Zurzeit würden für Biomilch etwa sieben Cent mehr bezahlt als für konventionell erzeugte Milch, so Högg. Der höhere Aufwand und der geringere Ertrag der Öko-Milchviehhaltung sei damit wirtschaftlich.
In den Ackerbauregionen findet „Bio“ weniger Zulauf. Aus dem Rahmen fällt allerdings der Landkreis Donau-Ries: Ausgerechnet die vielen Biogasanlagen, die dort von konventionell arbeitenden Ackerbauern überwiegend mit Mais gefüttert werden und deshalb in der Öko- und Naturschutzszene einen schlechten Ruf haben, sind auch für Biobauern attraktiv: Sie können nämlich für gutes Geld das Kleegras verkaufen, das in ihrer Fruchtfolge so wie so eine wichtige Rolle spielt.
Kleegras wird im Öko-Ackerbau ausgesät, um den Boden mit Stickstoff aus der Luft zu versorgen, das Bodenleben zu fördern und die Erosion zu stoppen. Üblicherweise wird es geschnitten und auf dem Acker liegen gelassen. Das bremse aber das Wachstum der danach angebauten Pflanzen, erklärt Bioberater Högg. Das Kleegras wegzuschaffen zahle sich deshalb aus. Inklusive der Vergütung, die die Betreiber von Biogasanlagen dafür zahlen, komme pro Hektar ein Mehrertrag von rund 500 Euro heraus. „Biogas zieht also auch Öko mit“, sagt Högg.
Neben Milch und Milchprodukten sind vor allem Eier und Geflügel sowie Gemüse aus ökologischer Produktion gefragt, sagt der Berater. Nach wie vor sei der Bedarf im eigenen Land nicht zu decken. Dabei genieße der Bauer in der Nähe ein höheres Vertrauen bei den Verbrauchern. Zudem sind die Transportwege kurz. Einige Bauern in der Region haben das Potenzial erkannt. Besonders Aussiedlerbetriebe mit Auslaufflächen direkt auf Hof eigneten sich für Biogeflügel, so Högg.
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