Mörder, Totschläger und Drogenkriminelle gehörten zu seinem Alltag. Aus diesem Leben stieg Holger Lammert aus. Er verließ sogar seine Freundin. Seitdem ist ein Tempel in Offingen sein Zuhause. Von Pit Meier

In seinem ersten Leben war Holger Lammert Justizvollzugsbeamter in München-Stadelheim und zuständig für die ganz harten Jungs: Mörder, Totschläger, Drogenkriminelle. Er hatte ein Auto, eine Wohnung, eine Freundin, bescheidene Ersparnisse und natürlich seinen Beamtenstatus.
Seit drei Jahren lebt Lammert sein zweites Leben als buddhistischer Mönch unter dem Namen Bikkhu Hiritamo und er hat nur noch wenig mehr als eine orangefarbene Kutte. "Wenn mir das jemand früher gesagt hätte, ich hätte ihn für verrückt erklärt", sagt Lammert, der seit wenigen Wochen im Tempel Wat Santiwararam in Offingen bei Günzburg wohnt.
Vom Knast ins Kloster
Vielleicht wäre Lammert nie Mönch geworden, hätte er nicht vorher im Knast gearbeitet. "Ich war auf der Suche nach einem Ausgleich für meine Arbeit", sagt der 42-jährige Münchener. Bei mehreren Reisen nach Thailand hat er die Sprache gelernt und sich als damals noch evangelischer Christ mit dem Buddhismus befasst. Vor fünf Jahren folgte der erste viermonatige Aufenthalt in einem Kloster im nordthailändischen Chiang Mai. "Mir hat diese Wärme gefallen, diese Nähe im Kloster." Dann die endgültige Entscheidung für ein Leben als buddhistischer Mönch und zwangsläufig die Trennung von der Freundin. "Es gab Leute, die wollten mich zum Psychologen schicken." Auch die Eltern waren zunächst wenig begeistert, aber zur Ordination ihres Sohnes reisten sie dann doch nach Chiang Mai.
Die vergangenen drei Jahre hat Lammert im Kloster in Nordthailand verbracht, aber am 15. Juli eröffnete sein Orden den Tempel in Offingen, und der deutsche Mönch wurde zusammen mit zwei asiatischen Brüdern nach Schwaben entsandt. Das Wat Santiwararam ist innerhalb von wenigen Wochen zur Anlaufstelle für Buddhisten aus der ganzen Region geworden. Sogar aus Österreich kommen die Gläubigen in den Tempel, in dem Lammert und seine Brüder nach den 227 Regeln für buddhistische Mönche leben. Vorgeschrieben ist sexuelle Enthaltsamkeit, verboten sind selbstverständlich Lüge und Diebstahl, aber auch profane Tätigkeiten wie Fahrrad fahren oder mit dem Spaten im Garten arbeiten. Denn für einen gläubigen Buddhisten ist die Vorstellung unerträglich, mit der Schaufel ein Kleinlebewesen zu verletzen oder zu töten.
Morgens um vier Uhr geht es raus aus den Federn
Aufgestanden wird morgens um 4 Uhr, nach Meditation und Gebeten erledigen die drei Mönche in orangefarbenen Kutten ihren Almosengang in Ulm, Günzburg, Heidenheim, Augsburg oder Dillingen. Gegessen wird nur einmal am Tag und zwar das, was die Gläubigen geben. Trotzdem legt Lammert Wert auf die Feststellung: "Wir sind keine Bettelmönche."
Wer spendet, der tut dies schließlich nach buddhistischer Überzeugung für sich selber und um sein "Karma" zu verbessern. Buddhisten glauben an keinen Gott, sondern an die Wiedergeburt und auf das nächste Leben kann der Gläubige durchaus schon in dieser Existenz Einfluss nehmen. Mit einem schlechten Karma droht eine Zukunft als niedere tierische Lebensform, Menschen mit einem besseren Karma werden auch als Menschen wiedergeboren. Lammerts Schlussfolgerung: "Bill Gates muss in seinem vorherigen Leben ein sehr gutes Karma gehabt haben." Pit Meier
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