Mittwoch, 22. Mai 2013

14. April 2012 10:36 Uhr

Besorgnis nach Koranverteilung

Innenminister Herrmann: 450 Salafisten in Bayern

Die Salafisten machen mit der millionenfachen Verteilung des Koran bundesweit Schlagzeilen. Innenminister Herrmann sieht in dem Weltbild der Gruppierung einen Nährboden für Gewalt.

Nach Medienberichten wollen radikalislamistische Salafisten kostenlos 25 Millionen Koran-Exemplare an Nichtmuslime abgeben.
Foto: Frank May/Symbolbild dpa

Die Salafisten haben bei der Verteilung von Millionen Koran-Exemplaren in Deutschland nach Einschätzung von Innenminister Joachim Herrmann (CSU) ausländische Geldgeber im Hintergrund. «Diese Aktion zeigt, dass man die Schlagkraft und den Handlungswillen der Organisation nicht unterschätzen darf», sagte Herrmann.

Herrmann: Ausländische Financiers an Koranverteilung beteiligt

«In den letzten fünf bis zehn Jahren haben die Salafisten ihre Aktivitäten verstärkt. Bundesweit haben wir etwa 3.800 Salafisten, in Bayern etwa 450.» Offensichtlich habe die Organisation großen finanziellen Rückhalt. «Sogar wenn ein Exemplar nur ein Euro kosten sollte, gehen die Gesamtkosten bei der Verteilung von mehreren Millionen Büchern in die Millionen», sagte der CSU-Politiker.

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«Zu dieser speziellen Aktion liegen mir noch keine Erkenntnisse vor, aber nach unseren Erfahrungen in der Vergangenheit müssen wir davon ausgehen, dass ausländische Financiers sehr stark beteiligt sind», betonte Herrmann. Die Verteilung des Koran als solche sei weder strafbar noch angreifbar - «aber das ist eine große Propagandaaktion, mit der die Salafisten auf sich aufmerksam machen wollen.» Die Salafisten predigen eine Rückkehr zum «ursprünglichen» Islam und halten die gesamte historische Entwicklung seitdem für einen Irrweg. Die Gruppe versucht, mit Hilfe deutscher Konvertiten neue Anhänger zu rekrutieren. In der Szene und bei Verfassungsschützern bekannt ist unter anderem der Prediger Pierre Vogel, der mit langem Bart und in Gewand auftritt.

Herrmann: Salafisten "intolerant gegenüber anderen Religionen"

Herrmann warf den Salafisten vor, ihre Propaganda sei Nährboden für Gewalt: «Man kann nicht von vornherein jeden Salafisten als gewaltbereit bezeichnen. Aber die dahinter stehende Ideologie ist aufgrund ihrer Intoleranz sehr nahe daran, die Grundlagen der Gewalt zu fördern.» Die Salafisten seien «intolerant gegenüber liberaleren Muslimen und erst recht gegenüber anderen Religionen». In Bayern halten sich die Salafisten mit Aktionen bislang zurück. Bislang gab es nach Herrmanns Angaben zwei Infostände in München und Nürnberg. «An diesem Wochenende sind nach unserer Kenntnis aktuell keine Aktionen geplant», sagte er.

Integrationsbeauftragter sieht keine Basis für Verständigung

Der sonst für eine Verständigung mit den Muslimen eintretende Integrationsbeauftragte Martin Neumeyer sieht ebenfalls keinerlei Basis für eine Verständigung mit Salafisten: «Hier geht es nicht um ein friedvolles Miteinander von Menschen oder Religionen in einem säkularen Staat, sondern um den aktiven Glaubenskampf, wenn auch mit gewaltfreien Mitteln», erklärte Neumeyer. «Journalisten und Kritiker werden als Affen oder Schweine diffamiert. Damit wird nicht nur die Grenze zum guten Geschmack verletzt, sondern auch aktiv gegen unsere freiheitlich soziale Grundordnung agiert.» Die große Mehrheit der Muslime in Bayern und Deutschland habe mit den Salafisten nichts zu tun, werde aber «leider oft in Mithaftung für die Handlungen und Aussagen solcher Blender genommen». dpa

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Herrmann | Koran | München | Salafisten