Promis wie Victoria Beckham oder Angelina Jolie schwören auf die Geburt per Kaiserschnitt. Zwei feine Schnitte, und das Baby kommt zum Wunschtermin hübsch und rosig auf die Welt. Die Zahl der Kaiserschnittgeburten ist in den letzten Jahren stark angestiegen. Im Jahr 2010 wurde bei fast jeder dritten Frau, die in einem Krankenhaus im Freistaat ein Kind bekam, ein Kaiserschnitt gemacht. Warum allerdings die regionale Verteilung von Kaiserschnittgeburten in Bayern zwischen 16 und 60 Prozent schwankt, geht aus den Statistiken nicht hervor.
Nicht nur medizinische Gründe spielen eine Rolle
„Die regionalen Unterschiede deuten darauf hin, dass nicht nur medizinische Gründe eine Rolle dabei spielen, ob ein Kind auf natürlichem Weg das Licht der Welt erblickt oder per Operation“, sagt Kathrin Heydebreck von der Techniker Krankenkasse (TK). Sie hält das Ergebnis für überraschend.
Die TK hatte die Angaben regional ausgewertet. Demnach hat der Landkreis Hof mit 60 Prozent die höchste von den Krankenhäusern gemeldete Kaiserschnittrate, gefolgt vom Kreis Tirschenreuth (50 Prozent) und Neuburg-Schrobenhausen, Eichstätt sowie München mit jeweils 47 Prozent. Die niedrigsten Raten hätten die Kliniken im Landkreis Haßberge (16 Prozent), gefolgt von Weiden und Regen (20 Prozent) sowie Straubing-Bogen (21 Prozent) gemeldet.
Kaiserschnitt, um das Risiko von Geburtsfehlern zu senken
Ein Grund für die Unterschiede könnte in der Geburtsvorbereitung durch die Ärzte und Kliniken liegen, sagt Heydebreck. Der Wunsch der Frauen nach einem Kaiserschnitt komme oft den Bedürfnissen der Kliniken entgegen, die mit enger Personaldecke eine geplante Geburt tagsüber und unter der Woche einer unkalkulierbaren normalen Geburt vorzögen.
In den USA, wo Dreiviertel der Erstgebärenden eine Kaiserschnittgeburt favorisieren, spiele auch die rechtliche Haftung eine große Rolle. Durch den Einsatz von moderner Technik werde das Risiko von Geburtsfehlern gesenkt, so Heydebreck. Schadenersatzforderungen ließen sich auf diese Weise minimieren – möglicherweise gewinne diese Überlegung auch in Bayern immer mehr an Bedeutung.
Tatsächlich gebe es viele medizinische Gründe, die gegen eine natürliche Geburt sprächen: Wenn die Mutter schon älter ist und eine Mehrlingsgeburt erwartet wird, wenn das Kind sich in Beckenend- oder Querlage befindet oder Stress hat, dann entscheiden sich Ärzte für einen Kaiserschnitt. (mit dpa)