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05. März 2010 15:33 Uhr

Details in Missbrauchs-Fällen

Kloster Ettal: "Systematisch und brutal geprügelt"

Jahrelang waren Kinder im Kloster Ettal körperlicher Züchtigung und sexuellem Missbrauch ausgesetzt. Sonderermittler Thomas Pfister schildert in seinem Bericht erschütternde Übergriffe auf Schutzbefohlene.

Ein "Vorsicht Kinder"-Schild, in Ettal in Sichtweite des Klosters Ettal. Foto: Steffi Loos/ddp
Foto: sl/mw

Kinder in Schule und Internat des bayerischen Klosters Ettal sind jahrelang körperlicher Züchtigung und sexuellem Missbrauch ausgesetzt gewesen. Das hat der von der Benediktiner-Abtei eingesetzte Sonderermittler Thomas Pfister am Freitag in Ettal in einem erschütternden Bericht geschildert.

Neben Fällen von sexuellem Missbrauch soll im Benediktinerinternat Kloster Ettal bis etwa 1990 auch «systematisch und brutal geprügelt» worden sein. Wie der unabhängige Sonderermittler der Abtei, Rechtsanwalt Thomas Pfister, am Freitag sagte, betreffen die Vorwürfe nach heutigem Kenntnisstand rund zehn Patres.

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«Im Zweifelsfall» gehe aber von einer deutlich höheren Zahl aus, sagte er. Insgesamt sollen die Patres bis 1990 etwa 100 Opfer geschlagen haben. Pfister sprach mit Blick auf das Kloster von einer «Kultur des Schweigens und des Wegsehens».

Der in leitender Position tätige Benediktiner Johannes Bauer gestand, selbst in den 80er Jahren Kinder «körperlich misshandelt und gedemütigt» zu haben. «Das tut mir sehr leid und ich bitte alle von ganzem Herzen um Verzeihung», sagte Bauer. Er bat die Betroffenen, sich bei ihm zu melden, «damit ich sie persönlich um Verzeihung bitten kann».

Ein Pater in Etttal hat zudem das Herunterladen von kinderpornografischen Filmen aus dem Internet eingeräumt. Nach Angaben von Bauer wurde der beschuldigte Geistliche «mit sofortiger Wirkung von allen pädagogischen und seelsorgerischen Aufgaben entbunden». Er wolle sich von einem «namhaften Spezialisten» untersuchen lassen und anschließend in Therapie gehen.

Außerdem soll ein inzwischen suspendierten Ettaler Pater Fotos von halbnackten Klosterschülern auf Homosexuellen- Seiten im Internet veröffentlicht haben. Der beschuldigte Pater habe die Fotos der Buben mit freiem Oberkörper bei Bergwanderungen gemacht, berichtete Pfister. Die zuständige Staatsanwaltschaft habe zur Aufklärung der Vorwürfe am vergangenen Dienstag mehrere Rechner in dem Kloster sichergestellt.

Möglicherweise ist in Ettal auch ein Pater sexuell missbraucht worden. Er sei dazu mit einem früheren Ettaler Pater im Gespräch, der sich an ihn gewandt habe, berichtete Sonderermittler Thomas Pfister.

Missbrauchsskandal bei Regensburger Domspatzen

In den Missbrauchsskandal bei den Regensburger Domspatzen sind offenbar zwei ehemalige leitende Geistliche verwickelt. Die beiden Männer, die bereits 1984 gestorben sind, sollen für ihre Taten seinerzeit zu Haftstrafen verurteilt worden sein, sagte der Sprecher des Regensburger Bistums, Clemens Neck, am Freitag.

Im Fokus steht der weltbekannte Knabenchor der Regensburger Domspatzen. Unter den fünf Fällen in der Diözese, die bereits an die Beauftragte für sexuellen Missbrauch des Bistums, Birgit Böhm, herangetragen wurden, stehen zwei in Verbindung mit dieser Einrichtung. Ein Geschädigter berichtet über Missbrauchsfälle Anfang der 60er Jahre. Ein weiteres Opfer hat über eine Mittelsperson eine Aussage angekündigt. Die Buben mussten nach Angaben Böhms vielerlei Demütigungen ertragen. So wurde ein Schüler beispielsweise dazu gezwungen, sein Erbrochenes zu essen.

Die Missbrauchsfälle sollen sich zwischen den Jahren 1958 bis 1973 ereignet haben. «Da die Fälle bis zu einem halben Jahrhundert zurückliegen, bedeuten diese Anfragen für das Bistum: Gespräch, Zuhören, Recherche, Aktenstudium und Befragungen», sagte Neck.

Einer der in den Missbrauchsskandal verwickelten Geistlichen war von 1953 bis 1958 als Religionslehrer und Präfekt am Musikgymnasium Regensburg eingesetzt. In dieser Zeit soll der Stellvertreter des Institutsleiters nach einem Zeitungsbericht von damals «bei unsittlichen Handlungen» mit zwei seiner Schützlinge ertappt worden sein. Er wurde daraufhin laut Bistum aus dem Institut entfernt. Nach Aussagen befragter Mitbrüder sei er für die Missbrauchsfälle zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt worden. Wen der Religionslehrer missbraucht hat, ist laut Bistumssprecher Neck bislang nicht bekannt.

Der zweite Geistliche war von 1964 bis 1969 als Diözesanmusikdirektor in der Diözese tätig. Nach Recherchen des Bistums wird eine Missbrauchstat vor dem Mai 1969 vermutet, die Mitte 1971 strafrechtlich mit elf Monaten Haft belangt wurde.

Böhm hofft nach Bekanntgabe der Recherchetätigkeiten nun auf weitere Meldungen Betroffener. «Haben Sie Vertrauen, sich an mich zu wenden», sagte sie. Die Psychologin wolle den Geschädigten helfen, die «Zeit schlimmer Ohnmacht» zu bewältigen. Nur durch weitere Aufklärung könne man den Opfern helfen, die Täter straf- und kirchenrechtlich verfolgen und zukünftige Übergriffe verhindern.

Das Bistum will nun einen Rechtsanwalt hinzuziehen, um die «Vorfälle der Vergangenheit zu durchleuchten». Dieser soll in zwei Wochen einen ersten Zwischenbericht vorstellen. Hinweise auf aktuelle Vorkommnisse gibt es laut Neck nicht. «Es gibt aktuell keinen Fall, der in irgendeiner Weise die Domspatzen in ihrer jetzigen Existenz berührt», betonte er.

Durch das Bekanntwerden der Missbrauchsfälle bei den Regensburger Domspatzen ist auch Georg Ratzinger, der Bruder von Papst Benedikt XVI., in den Blickpunkt gerückt. Er war von 1964 bis 1994 Domkapellmeister und Leiter des Knabenchores. Der 86-Jährige beteuerte am Freitag im Bayerischen Rundfunk, keine Kenntnisse über mögliche Missbrauchsfälle zu haben. Bistumssprecher Neck ging auf konkrete Fragen zu Ratzinger nicht ein. Er sagte lediglich: «Wir sprechen mit allen Menschen, die uns weiterhelfen können.» AZ

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