Beinahe hätte sich der Landtag dieses Jahr ganz ohne Krach in die Sommerpause verabschiedet. In letzter Sekunde aber holte FDP-Fraktionschef Hacker zur verbalen Attacke gegen Horst Seehofer aus. Von Uli Bachmeier

Beinahe hätte sich der Landtag dieses Jahr ganz ohne Krach in die Sommerpause verabschiedet. Quasi in letzter Sekunde aber holte FDP-Fraktionschef Thomas Hacker zur verbalen Attacke gegen CSU-Chef Horst Seehofer aus. Er erklärte: "Dem bayerischen Ministerpräsidenten scheinen die Hitze der letzten Tage und die langen Sitzungen des Bayerischen Landtags doch sehr zugesetzt zu haben. Anders kann ich mir die blutrünstigen Fantasien nicht erklären, denen sich Seehofer in letzter Zeit wohl hingibt."
Dieses Zitat ist der vorläufige Höhepunkt eines Gezänks, das am Wochenende seinen Anfang nahm. Bayerns FDP-Chefin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger hatte in einem Interview über ihren Koalitionspartner gesagt: "Die alte Herrlichkeit ist für die CSU ein für alle Mal vorbei." In der CSU hätte das wohl nicht für größeres Aufsehen gesorgt, weil Leutheusser öfters mal so etwas sagt. Doch dann kam SPD-Fraktionschef Markus Rinderspacher und lästerte über Leutheusser und die Schwäche der FDP: "Das ist die Drohung des gefesselten Todgeweihten in der Guillotine, dem Henker den Garaus zu machen."
Über diesen Spruch wiederum konnte sich CSU-Chef Seehofer köstlich amüsieren. Beim Sommerempfang von Landtagspräsidentin Barbara Stamm in Schloss Schleißheim schwärmte er über die Wortgewalt des SPD-Fraktionschefs: "Das ist das Beste, was ich in meiner politischen Laufbahn je gehört habe." Der Spaß auf Kosten der Liberalen schaukelte sich bis gestern weiter hoch und in der CSU sollen neuerdings "Kopf-ab-Gesten" in Richtung FDP der Brüller sein.
Dies alles ging FDP-Fraktionschef Hacker, dem ohnehin ein gespanntes Verhältnis zu Seehofer nachgesagt wird, zu weit. "Wenn die Hitze-Fantasien des Ministerpräsidenten der Auftakt zum bayerischen Sommertheater gewesen sein sollten, ist ihm dieser Auftakt völlig missglückt", erklärte Hacker und forderte Seehofer auf, sich mit kraftvollem Regieren zu beweisen.
Bereits vergangenen Juli hatte es Streit gegeben. Seehofer hatte den Regierungsmitgliedern Anwesenheitspflicht bei Kabinettssitzungen verordnet, sogar Auslandsreisen sollten verschoben werden. Hacker nannte die Anweisung "affig". Seehofer trägt ihm das bis heute nach.
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