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Die Zukunft in Gundremmingen: Kraftwerksdämmerung

Die Zukunft in Gundremmingen

Kraftwerksdämmerung

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    Auch das Zwischenlager Gundremmingen wird einem Stresstest unterzogen.
    Auch das Zwischenlager Gundremmingen wird einem Stresstest unterzogen. Foto: Bernhard Weizenegger

    Gundremmingen Am Sonntagnachmittag protestieren sie anlässlich des Jahrestags der Fukushima-Katastrophe. Wieder einmal. Wie so oft in den letzten Jahrzehnten. Gleich mehrere Atomkraftgegner haben zur Demo aufgerufen. 2500 Teilnehmer werden kommen, schätzt die Polizei. Das Thema lautet: „Wir machen Gundremmingen dicht. Abschalten vor dem GAU.“

    Raimund Kamm, früherer Grünen-Politiker und Vorstand im Forum „Gemeinsam gegen das Zwischenlager und für eine verantwortbare Energiepolitik“, ist schon ewig bei den Mahnwachen und Demonstrationen dabei. Er gilt in der Region als der intellektuelle Kopf der Anti-Akw-Bewegung. Zunächst ging es ihm und den Gegnern darum, das Kraftwerk zu schließen. Jetzt denken sie weiter. Sie kritisieren, dass in Gundremmingen auf absehbare Zeit mehr Plutonium als irgendwo anders in Deutschland gelagert wird. Sie stellen die Frage nach einer angeblich erhöhten Zahl an Krebserkrankungen im Umkreis von 50 Kilometern.

    Der Atommeiler Gundremmingen ist in den zurückliegenden Monaten wieder verstärkt in die öffentliche Diskussion geraten. Grund waren die angekündigten Verstärkungen der Außenmauern des Zwischenlagers. Teile der Bevölkerung stellen sich besorgt die Frage, warum dieser Schutz vor Terrorangriffen nur an den Längsseiten gebaut und das Dach nicht besser geschützt wird. Kritiker Kamm behauptet, dass es längst panzerbrechende Waffen gibt, mit denen man auch von oben attackieren kann: „Gegen einen Angriff aus der Luft oder den Absturz eines Flugzeugs bietet die Mauer keinen Schutz. Die Hallendecken sind nur 50 Zentimeter dick.“

    Auch die CSU-Politiker Alfred Sauter (Günzburg) und Georg Nüßlein versuchten in den vergangenen Wochen zu klären, warum es keinen Schutz von oben gibt. Sauter erfuhr über Umwege, dies hänge damit zusammen, dass der Beschuss der Längsseiten Terrorexperten zufolge am wahrscheinlichsten sei. Rechnerisch seien das etwa 70 Prozent. Was bleibt? Restrisiko.

    In diesem Zusammenhang ist eine Debatte darüber ausgebrochen, wer für das Zwischenlager eigentlich zuständig ist. Das Bundesamt für Strahlenschutz? Dieses verwies bei Nachfragen zuletzt immer auf Bayerns Umweltministerium. Dort wiederum bekommt man erklärt, nur die Behörde in Salzgitter habe Auskunftsrecht. „Dieses Kompetenz-Wirrwarr klingt nicht sehr vertrauenerweckend, falls es einen Terroranschlag gäbe“, so Kamm.

    Als der erste Block des Kraftwerks am 14. Dezember 1962 genehmigt wurde, waren die Bedenken der Bevölkerung gegen Atomkraftwerke noch vergleichsweise gering. Im Gegenteil: Diese Art der Energiegewinnung galt damals auch in Expertenkreisen noch als sauber, sicher und zukunftsweisend.

    Im Schwäbischen rund um Gundremmingen, wo noch heute viele Einwohner diese Meinung vertreten, kam Skepsis auch erst nach einem gefährlichen Fast-GAU im damaligen Block A auf. Seit 1983 wird dieser zurückgebaut.

    Noch in Betrieb sind die moderneren Blöcke B und C, beides Siedewasserreaktoren, die Mitte der 70er Jahre errichtet wurden. Sie liefern heute in Bayern jede vierte Kilowattstunde Strom. Anschaulicher formuliert heißt das: Wenn sie 2017 und 2021 abgeschaltet werden, gingen ohne Ersatzenergie in jedem vierten Haus im Freistaat die Lichter aus.

    Und was dann? Kraftwerksleiter Helmut Bläsig sagt: „Neben der Frage der Finanzierbarkeit gibt es viele technische Punkte, die in Sachen Energiewende noch zu klären sind: etwa der Netzausbau, die Speicherbarkeit des Stroms und die Sicherung der Grundlastversorgung. Im Interesse unseres Landes ist zu hoffen, dass dieses Projekt gelingt.“ Skepsis klingt mit.

    Gaskraftwerke als Alternative in Gundremmingen, wie sie die Bayerische Staatsregierung plant, sieht Bläsig eher kritisch: „Aktuell sind die wirtschaftlichen Voraussetzungen für konkrete Gas-Projekte nicht gegeben.“ Er räumt jedoch ein, dass Gundremmingen auch im Nachatomzeitalter ein interessanter Standort für die Stromerzeugung bleibt: „Die vorhandene Infrastruktur, qualifizierte Arbeitnehmer und eine hohe Akzeptanz in der Bevölkerung sind wichtige positive Standortfaktoren.“

    Die rund 1250 Mitarbeiter tröstet das nicht wirklich. Sie müssen damit rechnen, langfristig ihre Jobs zu verlieren. Bläsig meint dazu: „Für die Region stellt sich schon die Frage, wie dieser Wegfall von hoch qualifizierten Jobs kompensiert werden kann.“

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