Im Zusammenhang mit den Missbrauchsvorwürfen an der Klosterschule Ettal kritisiert Elternsprecher Peter Cammerer eine verzerrte Berichterstattung durch die Presse.

Im Zusammenhang mit den Missbrauchsvorwürfen an der Klosterschule Ettal kritisiert der Elternsprecher Peter Cammerer eine verzerrte Berichterstattung durch die Presse.
«Dieser Generalverdacht gegen das Kloster ist absurd», sagte Cammerer im ddp-Interview in Ettal. Bislang gebe es hier gar keine aktuellen Fälle von sexuellem Missbrauch, die erwiesen seien. Deshalb dürfe die Ettaler Schule auch nicht infrage gestellt werden.
Die Staatsanwaltschaft ermittelt derzeit gegen einen Pater wegen aus dem Internet heruntergeladenen Kinderpornos. Sie wurden auf seinem Computer entdeckt. Der Klosterbruder soll zudem in den Jahren 2000 und 2001 Bilder von Klosterschülern mit nacktem Oberkörper auf Internetseiten für Homosexuelle veröffentlicht haben. Ein anderer Ordensmann soll 2005 Schüler im Gesicht, am Oberkörper, den Armen und Beinen gestreichelt sowie sie auf seinem Schoß sitzen haben lassen. Außerdem sollen Schüler bis 1990 von Benediktinerpatres systematisch geprügelt worden sein. Rund 100 Hinweise von möglichen Opfern sind bislang eingegangen.
Der Elternsprecher wies darauf hin, dass bis Ende der 1960er Jahre Prügel an allen bayerischen Schulen legal gewesen seien. Aus heutiger Sicht seien solche Vorgänge aber natürlich «ganz anders zu beurteilen». Cammerer hat selbst in Ettal seinen Abschluss gemacht und will auch seinen Sohn weiter auf der Schule belassen. «Ich bin stolz auf mein Abitur in Ettal.»
Er warf dem Erzbistum München vor, die Kinder, Eltern und Lehrer mit einer Andeutung, dass die Schule geschlossen werden könnte, «verängstigt» zu haben. Das gelte auch für die vom Erzbistum erzwungenen Rücktritte von Abt Barnabas Bögle und Schulleiter Maurus Kraß. «Der Abt war eine wichtige Vertrauensperson für die Schüler», sagte Cammerer. Inzwischen habe sich das Bistums offiziell dafür entschuldigt.
Er betonte, es sei auch sehr schwer «eine Grenze zu definieren, zwischen menschlicher Nähe und sexuellem Missbrauch». Er selbst habe als Schüler menschliche Nähe wahrgenommen. «Ich saß mit Heimweh auf dem Schoß eines Paters und er hat mir Tränen abgewischt. Und ich war froh darüber.» Zugleich betonte Cammerer, der Elternschaft sei an einer umfassenden Aufklärung der Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs am Internat gelegen. ddp
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