Mit dieser Reaktion hatte der noch neue bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm nicht gerechnet. In einem Interview hatte er fasziniert vom Zauber des Anfangs gesagt, dass er sich am liebsten zerteilen würde, um möglichst vielen Einladungen folgen zu können. „Welche Signale senden Sie als Bischof aus?“, fragte ihn daraufhin eine kritische Christin.
Zum Beginn der Landessynode in Augsburg gab Bedford-Strohm gestern in St. Anna die Antwort: „Es ist Zeit, der Regeneration der Seele wieder einen neuen Stellenwert zu geben.“ Sie habe gelitten an einer einseitigen Ausrichtung unserer Gesellschaft an der Effektivität, mahnte der Landesbischof. Menschliche Beziehungen drohten heute aufgefressen zu werden von der Vorherrschaft der Ökonomie. Ehe und Familie leiden, wenn Beschäftigte sich in ihren Arbeitszeiten immer flexibler nach dem Unternehmen richten müssen. Schüler haben Schwierigkeiten, im Fußballverein am Training teilzunehmen, weil sie das G8 zeitlich so stark beansprucht.
„Als Gesellschaft müssen wir uns fragen, in welche Richtung wir gehen wollen“, mahnte Bedford-Strohm – weiter auf Zuwachs an materiellem Wohlstand oder auf Zuwachs an „Beziehungswohlstand“? Deshalb tritt der Theologe so nachdrücklich für den Schutz des Sonntags ein und will „nicht Ruhe geben, bis der Buß- und Bettag wieder als gesetzlicher Feiertag eingeführt worden ist“. Von Bayern solle das Signal ausgehen: Wir wollen als Gesellschaft Luft holen.
Immer wieder bekam der Landesbischof von den 108 Synodalen in der St.-Anna-Kirche Applaus für seine Rede. Er bringt frischen Wind in die Kirche. Schon zum zweiten Mal sprach er über die landeskirchliche Internetarbeit. Die modernen Medien und sozialen Netzwerke seien „eine großartige Gelegenheit, mit den Menschen über die Wege zu kommunizieren, die sie vorwiegend nutzen, und mit ihnen dort über Gott und die Welt ins Gespräch zu kommen“. Er selbst bekomme auf seiner offiziellen landesbischöflichen Facebookseite „häufig interessante Gedanken mit auf den Weg“.
Auf dem Weg, modern zu werden, bläst der Landeskirche freilich mitunter auch scharfer Gegenwind ins Gesicht. Die Vorstellung, dass in Zukunft in dem einen oder anderen evangelischen Pfarrhaus ein gleichgeschlechtliches Paar wohnt – mit dem Segen der Kirche, lässt Pfarrer Till Roth, den Vorsitzenden des Arbeitskreises Bekennender Christen (ABC), nicht ruhen. Über ein Jahr lang hat die Landeskirche heftig diskutiert, nun steht auf der Augsburger Synodentagung das neue Pfarrerdienstrecht zur Beschlussfassung an. Synodalpräsidentin Dorothea Deneke-Stoll äußerte sich zuversichtlich, die Sache zu einem guten Ende zu bringen. „Insgesamt meine ich, dass sich die intensiven Diskussionsprozesse, die hinter uns liegen, gelohnt haben und dass wir jetzt insgesamt gesehen ausgewogene und praktikable Regelungen gefunden haben“, sagte sie am Montag zur Eröffnung der Sitzung.
Homo-Paare in einer eingetragenen Lebensgemeinschaft dürfen erst dann ins Pfarrhaus, wenn dies „einmütig“ von der Gemeinde und von der Kirchenleitung gewollt wird. „Es werden sicherlich nicht alle hundertprozentig damit zufrieden sein“, ahnte Präsidentin Deneke-Stoll auf der Pressekonferenz. Der ABC sprach von einem „Irrweg“, die Umwertung homosexueller Lebensweise sei weder theologisch haltbar noch durch neuere „zwingende“ humanwissenschaftliche Erkenntnisse begründet. Landesbischof Bedford-Strohm räumte ein, dass sich bestimmte Menschen sehr schwertun damit. Aber ein Grund, die Kirche zu verlassen, sei es nicht.