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Konzert in der Olympiahalle: Lena in München: Ein Triumph der Nettigkeit

Konzert in der Olympiahalle

Lena in München: Ein Triumph der Nettigkeit

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    Lena Meyer-Landrut. (Archivbild) dpa
    Lena Meyer-Landrut. (Archivbild) dpa

    Wenn weibliche Popstars große Hallen füllen, werden die Konzerte in der Regel zum effektheischenden Schauspiel, zu überbordenden Inszenierungen: Kylie Minogue wird zur Liebesgöttin, Katy Perry zur Puppenhaus-Prinzessin, Lady Gaga zum wandelnden Pop-Art-Kunstwerk. Wenn also der Deutschen leuchtendstes Sternchen nun erstmals in einer Tournee die größten Hallen der Republik mit abendfüllendem Programm bespielt: Muss die das dann nicht auch? Und: Kann das gut gehen? Bei unserer netten Lena?

    Junge Lena-Fans in der Münchner Olympiahalle

    Die beste Nachricht an diesem Mittwochabend in der Münchner Olympiahalle war: Lena muss es nicht und Lena tut es nicht. Denn wahrscheinlich dürfte sie es auch gar nicht, ohne damit einen entscheidenden Faktor ihres Erfolgs zu vernichten. Diese Lena, die am 23. Mai zarte 20 Jahre alt wird, nämlich, ist gerade dank ihrer uninszenierten und also aufrichtig wirkenden Natürlichkeit und Unbedarftheit ein Star: für die Kinder, weil sie Lena Meyer-Landrut noch als eine der ihren sehen, die sich eben ihren Traum erfüllt hat; für die Eltern, die sie auch gerne also solchen gern befördern, weil sie zwar ein bisschen tätowiert und flippig ist, aber weit davon entfernt, eine verstörende Kunstfigur zu sein. Darum füllen die Olympiahalle an diesem Abend auch zu großen Teilen die jüngsten Fans in Begleitung ihrer Erziehungsberechtigten. Und sie füllen sie im Gegensatz zu so mancher der bisherigen sechs Tour-Stationen sehr gut, wohl auch, weil derzeit ja Ferien sind.

    Lena tritt also in schwarzen Jeans, mit schwarzem Top und senffarbenen Turnschuhen auf, singt und tanzt in weiten Teilen der eineinhalb Stunden ohne Choreografie. Sie darf halt sie selbst sein und tut das für ein Mädchen, das vor gut einem Jahr noch keinen interessiert hat, vor jetzt etwa 10.000 Zuschauern erstaunlich offen und charmant. Das wirkt.

    Da macht es nichts, dass die Stimme mal ein bisschen wackelt wie beim Song „At all“, dass die Songreihenfolge ein bisschen unglücklich wirkt, wenn nach dem kindlichen „Bee“ direkt das traurigste und vielleicht pathetischste ihrer Lieder kommt, „Push Forward“. Da macht es nicht einmal was, wenn sie sich ausgerechnet beim letztjährigen Siegersong des Eurovision Song Contest versingt – die sechsköpfige Band, die vier Streicherinnen, die drei Backgroundsängerinnen und die wie in Raabs Auswahlshows zur diesjährigen Titelverteidigung immer wieder auftauchenden vier Tänzerinnen tragen Lena auf einem flauschigen Teppich durch den Abend.

    Eines der vielen Raab’schen Wunder

    Einzig größer inszeniert wird tatsächlich „Taken by a Stranger“. Fraulich wirkt Lena fast, als sie in Lederstiefeletten mit Absatz, Pluderhose und schulterfreiem Top auf die Bühne tritt und diesen seltsam plockernden Song singt, von dem man immer noch staunen muss, dass unter all dem fröhlichen Funk-Pop-Lala ausgerechnet der vom Publikum für die Titelverteidigung am 14. Mai ausgewählt wurde. Eines der vielen Raab’schen Wunder…

    21 Songs werden’s ingesamt, fast zu gleichen Teilen gemischt aus Songs der ersten und der zweiten Platte, angereichert nur durch ein kleines Intro-Cover auf Snoop Doggs „Drop it (like it’s hot)“, das Paolo-Nutini-Cover "New Shoes" und den ein bisschen langweiligen neuen Lena Popsong „Who’d wanna find love“. Eineinhalb Stunden, eine fröhliche Lena, die immer wieder über ihre Wirkung staunt und sich inzwischen auch kleine Mitsing-Spielchen mit dem Publikum erlaubt – und so viel Nettigkeit von allen Seiten, dass nach dem ruhigen „I like you“ als zweite Zugabe alle zufrieden nach Hause gehen. Wolfgang Schütz

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