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23. September 2010 09:20 Uhr

Augsburg

Mediengespräche: Wenn der Zoff Programm ist

Am Ende der Podiumsdiskussion der Augsburger Mediengespräche war es fast wie in der Sat.1-Sendung "Zwei bei Kallwass". Von Rupert Huber und Daniel Wirsching

Angelika Kallwass und Prof. Wolf-Dieter Ring bei den Augsburger Mediengesprächen.
Foto: Fred Schöllhorn

Am Ende der Podiumsdiskussion war es fast wie in der Sat.1-Sendung "Zwei bei Kallwass". Die Moderatorin und Psychologin Angelika Kallwass warf dem Kulturjournalisten Alexander Kissler vor: "Sie haben Vorurteile, Sie ironisieren, Sie setzen Ihre Punkte, Sie hören nicht zu. Ich versuche, mich auf Sie einzulassen, aber ich merke, Sie sind eine Wand."

Kissler, der im Laufe der Diskussion mit zugespitzten Formulierungen aufgefallen war, schien darauf keine Antwort zu wissen: "Es geht mir nicht darum, mein Gegenüber zu therapieren. Ich nehme das zur Kenntnis." Er hatte Kallwass vorgeworfen, ihre Sendung habe zu oft Schwangerschaftstests zum Inhalt. Über ihre und ähnliche Formate im Nachmittagsprogramm sagte er: "Es handelt sich um Schrei- und Krawall-TV der ordinärsten Form." Kallwass schnaufte hörbar. Ihre Miene: versteinert.

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"Inszenierte Wirklichkeit - was ist eigentlich noch echt im TV" hieß das Thema bei den mittlerweile 8. Augsburger Mediengesprächen am Mittwochabend im Augsburger Rathaus. Bei der von der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM) organisierten Diskussionsrunde prallten die Meinungen hart aufeinander, aus dem Ruder lief sie nicht.

Im Gegenteil: Mehr als eine Stunde lang setzte man sich facettenreich und überwiegend sachlich mit einem Medien-Trend auseinander, der immer stärker das Fernsehprogramm vor allem der Privatsender prägt.

Zwei Beispiele? Eine junge Frau ist schwanger und kommt mit ihrem iranischen Freund nicht klar, der will, dass sie nach der Hochzeit ein Kopftuch trägt. Und ein Mädchen wird in der Schule gemobbt, weil ihre Mutter in einem Lokal erotische Tänze aufführt, da sie keinen anderen Job findet. Solche RTL-Geschichten sind ein großer Erfolg.

Jürgen Erdmann von der Produktionsfirma Norddeich TV, die unter anderem "Mitten im Leben" und "Schulermittler" herstellt, pries die konstruierten Geschichten mit Laiendarstellern als "gute Unterhaltung mit Beratungscharakter". BLM-Präsident Wolf-Dieter Ring beklagte, dass der Zuschauer "erst Ende der Sendung im Abspann erfährt, dass die Geschichten frei erfunden sind". Erdmann lobte seine Ware: "Viele Menschen erkennen sich wieder in solchen Geschichten. Das ist mir auch schon so gegangen." Was den Moderator, den Publizisten Bernd Gäbler, zu dem von Applaus begleiteten Ausruf veranlasste: "Aha, so geht es bei Ihnen zu!"

Maya Götz, Leiterin des Internationalen Zentralinstituts für das Jugend- und Bildungsfernsehen in München, sprach von einem Phänomen. Wie Ring hielt sie eine höhere Medienkompetenz der Zuschauer für erforderlich: "Entscheidend ist, dass wir erkennen, was da gemacht wird", sagte sie im Hinblick auf die Castingshow "Deutschland sucht den Superstar" (DSDS). Denn: Dort werde ein Umgang vorgeführt, der respektlos sei. Markus Grimm, im Jahr 2004 Gewinner der Castingshow "Popstars", pflichtete ihr bei: "Mittlerweile geht es nur noch um Skandale." So habe er über den nahenden Krebstod seines Vaters vor laufenden Kameras sprechen müssen. Erst nach der Aufzeichnung merkte er, dass das möglicherweise ein Fehler war. Rupert Huber und Daniel Wirsching

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