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19. März 2010 19:00 Uhr

Hilfe für Opfer

Missbrauch: Kloster Ettal geht in die Offensive

Die Benediktinerabtei Ettal reagiert in bislang beispielloser Weise auf die Missbrauchsfälle in ihrer Schule und dem Internat: Sie will den Opfern gewalttätiger oder sexueller Übergriffe unter anderem "materielle Hilfe" zukommen lassen. Von Daniel Wirsching

Kloster Ettal.

Die oberbayerische Benediktinerabtei Ettal reagiert in bislang beispielloser Weise auf die Missbrauchsfälle in ihrer Schule und dem Internat: Sie will den Opfern gewalttätiger oder sexueller Übergriffe unter anderem "materielle Hilfe" zukommen lassen. Dabei solle jedoch unter keinen Umständen der Eindruck entstehen, man wolle sich freikaufen, sagte der Ende Februar zurückgetretene Abt Barnabas Bögle unserer Zeitung.

In welcher Form und in welchem Umfang Gelder, beispielsweise für Therapien, zur Verfügung gestellt werden, sei noch nicht klar. Im Gespräch ist eine Stiftung. Ulrike Schramek, die selbst als Schülerin Kloster Ettal besuchte und jetzt als eine von mehreren Anlaufstellen für die Opfer dient, könnte sich vorstellen, dass sich auch Alt-Ettaler finanziell an einem Fonds beteiligen. Es sei wichtig, die ehemaligen Absolventen mit ins Boot zu holen. Die Hauptlast wird laut Bögle aber das Kloster tragen.

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Das Kloster geht in die Offensive

Der ebenfalls zurückgetretene Schulleiter Pater Maurus Kraß betonte: "Wir wollen uns nicht aus der Verantwortung stehlen." Und das bedeute, Entschädigungen nicht aus Kirchensteuermitteln zu zahlen. Pater Emmeram Walter, Vakanz-Administrator der Abtei, schloss zugleich eine Beteiligung an einem möglichen deutschlandweiten Entschädigungsfonds der katholischen Kirche nicht aus.

Er befinde sich zu diesem Thema in Gesprächen mit dem Beauftragten der Deutschen Bischofskonferenz für Missbrauchsfälle, dem Trierer Bischof Stephan Ackermann.

Die Benediktiner haben schon eine Vielzahl von Maßnahmen ergriffen und kündigen weitere an. Es geht ihnen darum, den Missbrauchsopfern schnell zu helfen. "Wir müssen alles dafür tun, dass solche schlimmen Vorfälle nicht mehr vorkommen", sagte Bögle.

Hier die wichtigsten Maßnahmen:

Gespräche mit Opfern Das Kloster will mit den Opfern ins Gespräch kommen. Pater Maurus Kraß erklärte: "Wir wollen den persönlichen Kontakt. Das heißt nicht, dass wir irgendetwas verwässern wollen. Es geht um den Respekt für die Opfer." An ihn und an Bögle hätten sich bis gestern je fünf Betroffene gewandt. Einer habe wissen wollen, welcher Mensch sein Peiniger gewesen sei. Zudem stünden neutrale Ansprechpartner bereit, bei "akuten Fällen" verweise man auf die Kontaktstelle der Akademie für Psychoanalyse und Psychotherapie München und auf die Bayerische Psychotherapeutenkammer.

Bemerkenswert ist das Vorhaben des Klosters, dass ein früheres Missbrauchsopfer Schülern von seinen Erfahrungen erzählen wird.

Runder Tisch Am Donnerstag haben sich auf Initiative der Benediktinerabtei Vertreter verschiedener Organisationen zu einem Runden Tisch getroffen. Sie sagten dem Kloster ihre Unterstützung bei Präventionsmaßnahmen und für Hilfsangebote zu. Mit dabei waren Alexander Huhn, Kreisgeschäftsführer der Caritas Garmisch-Partenkirchen, der Psychologe Wilfried Griebel, stellvertretender bayerischer Landesvorsitzender des Deutschen Kinderschutzbundes, Angelika Renée Neugebauer vom Weißen Ring sowie Edgar Büttner von der Bewegung "Wir sind Kirche". Weitere Gespräche sollen folgen. Die Reaktionen der Teilnehmer fielen positiv aus: "Die Offenheit hat mich überrascht", sagte etwa Neugebauer.

Externe Vertrauensstelle Ebenfalls am Donnerstag hat das Kloster, so Kraß, eine Rechtsanwältin gewonnen: Schüler, Eltern und Klosterangehörige können sich bei Verdachtsfällen künftig an sie wenden. Sie sei dem Kloster gegenüber nicht weisungsgebunden und müsse alle Verdachtsfälle der Staatsanwaltschaft melden. Handle es sich um sexuellen Missbrauch, konfrontiere sie den Beschuldigten mit den Vorwürfen und erwarte eine Selbstanzeige. Erfolge diese nicht, werde sie Anzeige erstatten. Überdies informiere sie den Abt, der dann die zuständigen kirchlichen Stellen unterrichte. Daniel Wirsching

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