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Umstrittener Anwalt tot: München: Freiherr von Gravenreuth nimmt sich das Leben

Umstrittener Anwalt tot

München: Freiherr von Gravenreuth nimmt sich das Leben

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    Günter Freiherr von Gravenreuth, einer der schillerndsten undumstrittensten Anwälte Deutschlands, erschoss sich in seiner MünchnerWohnung.
    Günter Freiherr von Gravenreuth, einer der schillerndsten undumstrittensten Anwälte Deutschlands, erschoss sich in seiner MünchnerWohnung.

    Günter Freiherr von Gravenreuth ist tot. Der Jurist, einer derschillerndsten und umstrittensten Anwälte Deutschlands, erschoss sichin seiner Münchner Wohnung.

    Freiherr von Gravenreuth, 1948 als Günter Werner Dörr geboren, machte sich vor allem als Abmahn-Anwalt in der Internetszene einen Namen. Bekannt wurde der Jurist bereits 1992 durch die sogenannten "Tanja-Briefe": Damals schrieb er als Mädchen getarnt ("Tanja Nolte-Berndel") Menschen an, die in Computerzeitungen inseriert hatten und bat sie um den Tausch von Computerprogrammen. Wenn die Briefempfänger darauf eingingen, mahnte er sie wegen Urheberrechtsverstößen ab.

    Auch in den Folgejahren sorgte der schillernde Jurist in der Internetszene immer wieder für Furore. Mal mahnte er Firmen wegen Benutzung des Wortes "Webspace" ab, mal Internetnutzer wegen des Wortes "Explorer". Freiherr von Gravenreuth meldete sich mit drastischen Aussagen zu Markenrecht und Urheberrecht zu Wort und ging aus den verschiedensten Anlässen gegen Internetforen und Verbraucherschützer vor.

    Gleichzeitig zettelte Freiherr von Gravenreuth spektakuläre Kleinkriege mit Journalisten, Medien und Parteien an. Im Bundestagswahlkampf 2002 mahnte der IT-Anwalt bundesweit Parteien ab. Sein Vorwurf: Er sei durch sogenannte E-Cards, als elektronische Hinweis-Mails, belästigt worden. Auch mit dem Heise-Verlag führte der Anwalt einen Rechtsstreit, weil ihm nach diversen Vorfällen die Teilnahme im heise-Diskussionsforum verboten worden war. Das Landgericht München bestätigte dem Verlag damals sein virtuelles Hausrecht.

    Auch ein Rechtsstreit mit der taz sorgte für großen Wirbel. Von Gravenreuth hatte die Zeitung abgemahnt, weil er angeblich unbestellt eine Bestätigungs-Mail für den taz-Newsletter erhalten hatte.Vor Gericht erwirkte der Münchner eine einstweilige Verfügung gegen die taz und bekam einen dreistelligen Betrag zugesprochen, den die Zeitung dann auch zahlte. Trotzdem ließ Freiherr von Gravenreuth wenig später die Domain taz.de pfänden und plante deren Versteigerung. Erst gerichtlich konnte das Blatt den Juristen stoppen.

    Der Anwalt, der als Mitbegründer des Abmahn-Missbrauchs in Deutschland gilt, geriet freilich auch selbst mehrfach ins Visier der Justiz. Im Jahr 2000 wurde er wegen Urkundenfälschung in 60 Fällen verurteilt, später dann auch wegen Untreue und versuchten Betrugs. Insgesamt belief sich die verhängte Freiheitsstrafe auf 14 Monate ohne Bewährung.

    Diese Gefängnisstrafe hätte der umstrittene Jurist in den kommenden Tagen antreten sollen. Doch das machte er nicht mehr. In der Nacht zum Montag kündigte Günter Freiherr von Gravenreuth telefonisch an, dass er sich selbst das Leben nehmen werde. Ein Sondereinsatzkommando fuhr daraufhin sofort zur Wohnung des Anwalts in München, bestätigte das Polizeipräsidium Münchnen gegenüber augsburger-allgemeine.de. Doch die Beamten kamen zu spät: Der Rechtsanwalt hatte sich mit einer seiner Waffen erschossen.

    Von Freunden und Feinden hatte sich Freiherr von Gravenreuth zuvor standesgemäß verabschiedet. Seinen "letzten Gruß in die Runde" verschickte er in der Nacht per Mail.

    Sascha Borowski

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