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08. Juli 2011 08:23 Uhr

Zwischen Kater und Hoffnung

Münchens Olympia-Aus: Die Tage danach

Am Marienplatz wird die Bühne abgebaut, in Garmisch werden Pläne geschmiedet. Nach dem Olympia-Aus ein Besuch bei müden Kriegern und frenetischen Kämpfern. Von Josef Karg und Andreas Frei

Herrlich könnten die Beschäftigten den Blick in die Ferne schweifen lassen. Im vierten Stock des schicken Bürogebäudes in München sieht man nicht nur das Olympiastadion von 1972, den Fernsehturm und den BMW-Vierzylinder. Es ist an solch klaren Tagen auch möglich, Bayerns höchsten Berg, die Zugspitze, zu erspähen, an deren Fuß der Ort Garmisch-Partenkirchen liegt. Dieser Ausblick könnte motivieren. Doch alle Büros sind verwaist.

Hier im Münchner Norden sitzt die Olympia-Bewerbungsgesellschaft. Hier haben in Hochzeiten über 60 Mitarbeiter zweieinhalb Jahre lang daran gebastelt, einen Traum zu verwirklichen – die Olympischen Winterspiele in die Landeshauptstadt Bayerns zu holen.

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Aus, vorbei. Die Glastür ist versperrt. Niemand zu sehen. Ein Plakat vor dem Empfangstresen kündet noch von den gerade zerplatzten Hoffnungen. „München 2018“ steht darauf. Nur ein kleiner roter Zettel weist darauf hin, dass die Büros heute und morgen nicht besetzt sind. Die Mitarbeiter befänden sich bei den Aufräumarbeiten des großen Festes am Marienplatz, heißt es.

Anna Lena Mühlhäuser nennt sich „Manager Communications“ der Bewerbungsgesellschaft. In den vergangenen Wochen sind die Sprecherin und ihre Kollegen an ihre Grenzen gegangen, um die Spiele nach München zu holen. Jetzt scheint der Akku leer zu sein. „Ich habe gestern Abend geweint“, gesteht sie am Telefon. Mühlhäuser spricht vom „The day after“, dem Tag danach. Das klingt fatalistisch.

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Doch so schlimm ist es nicht. Nach einigen Stunden Schlaf hat sich die junge blonde Frau wieder gefangen. „So ist Sport“, sagt sie, „wer sich darauf einlässt, muss auch mit solchen Ergebnissen umgehen können.“ Ob sie bei einer erneuten Bewerbung, wie es schon Skifahrer Felix Neureuther und andere fordern, wieder mit dabei wäre? „Keine Ahnung“, sagt die Kommunikationsexpertin. Alles sei so frisch. Sie wolle sich dazu noch nicht äußern. Jetzt müsse erst einmal alles abgewickelt werden. Dann könne man weitersehen.

Apropos Abwicklung: Sechs Millionen Euro des 33-Millionen-Etats für den zerstörten Traum vom Wintermärchen 2018 trägt der Steuerzahler. Die gute Nachricht ist: Dem Bund, der Stadt und den Gemeinden bleiben drei Milliarden Euro erspart. So viel hätte es gekostet, die Spiele auszurichten.

90 Kilometer weiter südlich steigt Axel Doering aus seinem Auto, klopft die verlehmten Schuhe an einer Treppenstufe ab und schimpft: „Richtig matschig ist es im Wald nach dem ganzen Regen.“ So also sehen Sieger in Garmisch-Partenkirchen aus am Tag nach der Olympia-Entscheidung. Früh am Morgen hat er noch seine E-Mails gelesen, „90 Prozent Zustimmung“, sagt er. Und dann die zwei, in denen man ihn als „Vaterlandsverräter“ beschimpft, und da müsse doch der Verfassungsschutz tätig werden. Danach fuhr Doering in seinen Wald. Getroffen hat er keinen von denen, die ihm jetzt am liebsten an den Kragen gehen würden.

Axel Doering ist Förster und Kreisvorsitzender des Bund Naturschutz. Kariertes Hemd, grüne Cordhose, kurze, graue Haare. Ein durch und durch geradliniger Typ. So geradlinig, dass er jetzt im Büro seines großen, efeubewachsenen Hauses sitzt, vor Jagdtrophäen und Schützenscheiben, und sagt: „Ich habe als Olympia-Kritiker angefangen. Jetzt bin ich Olympia-Feind.“

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