Die letzte Entscheidung von Bischof Walter Mixa, der am späten Mittwochabend dem Papst seinen Rücktritt angeboten hat, betraf seinen engsten Vertrauten. Dirk Hermann Voß (50), der mächtige Koordinator für Medien und Öffentlichkeitsarbeit im Bistum, ist für diesen Bereich nicht mehr zuständig.
Er sei mit Wirkung vom 22. April (Donnerstag) von seiner Aufgabe durch Bischof Mixa entpflichtet worden, teilte die Diözese am Freitag mit. Mit sofortiger Wirkung übernehme Generalvikar Karlheinz Knebel die Verantwortung und die Zuständigkeiten für den Bereich Öffentlichkeitsarbeit und Medien. Voß bleibt Geschäftsführer der Mediengruppe Sankt-Ulrich-Verlag.
Knebel distanzierte sich von Voß' forscher Art
Bereits am Donnerstag hatte sich Knebel von Voß und dessen forscher Art, den mit Vorwürfen konfrontierten Bischof gegenüber den Medien zu verteidigen, distanziert. Den ehemaligen Heimkindern, die Mixa vorhielten, sie in Schrobenhausen geschlagen zu haben, hätten nicht sofort rechtliche Schritte angedroht werden dürfen.
"Für mich war das kein juristisches Problem, sondern ein menschliches", hatte der Generalvikar gesagt. Wiederholt habe Knebel dem Bischof eingeschärft, "dass das, was er sagt, auch stimmen soll".
In der Vollversammlung des Augsburger Diözesanrats der Katholiken kritisierte gestern der Vorsitzende Helmut Mangold, "dass unser Bischof in einer extrem persönlichen Angelegenheit in den Medien praktisch nicht vorhanden war". Volle zwei Wochen habe sich Mixa ausschließlich von Bistumssprecher Voß vertreten lassen.
Zur Neugestaltung der Diözese gehöre "eine substanzielle Neugestaltung der Repräsentation der Diözese", meinte Mangold. Für die Zukunft sei die Rolle und die Mitarbeit aller engagierter Laien "extrem wichtig". Mangold: "Wir wollen keine Kirche, die nur durch autoritäre Anordnungen Stellung bezieht, sondern eine Kirche, der man anmerkt, dass sie in der Frohbotschaft lebt und daraus ihre Kraft schöpft."
Glück: "Mit dem Rücktritt kann dieses Kapitel nicht abgeschlossen werden."
Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) drang auf eine umfassende Aufklärung der Vorwürfe. "Mit dem Rücktritt von Walter Mixa kann dieses Kapitel nicht abgeschlossen werden", betonte ZdK-Präsident Alois Glück. "Sonst trägt man nur zu einer vergifteten Atmosphäre und zur falschen Mythenbildung bei."
Der Vorsitzende des Landeskomitees der Katholiken, Albert Schmid, bat Papst Benedikt XVI., Mixas Rücktrittsgesuch gründlich zu prüfen. Erst wenn er überzeugt sei, dass Mixa diesen Schritt freiwillig getan habe, sollte er der Bitte entsprechen.
Der Münchner Erzbischof Reinhard Marx warnte vor einer Vorverurteilung Mixas. "Wir brauchen einen objektiven Bericht, nicht nur Vorwürfe, die von den Medien vermittelt werden", sagte er in einem Interview. "Mit einer Bewertung der Vorgänge sollten wir uns Zeit lassen, bis endgültige Ergebnisse vorliegen", meinte der Vorsitzende der bayerischen Bischofskonferenz. Alois Knoller