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10. September 2010 19:50 Uhr

Umstrittener Aufruf

Neu-Ulm: Kormoran-Jagd als Gewinnspiel

Der erste Preis ist der freie Abschuss eines Gamsbocks; als zweiter Preis winkt eine dreitägige Gänsejagd. Mit einem umstrittenen Aufruf bläst der Fischereiverein Ulm/Neu-Ulm zur Jagd auf den Kormoran. Von Jörg Sigmund

Kormoran (Symbolbild).
Foto: dpa

Der erste Preis ist der freie Abschuss eines Gamsbocks; als zweiter Preis winkt eine dreitägige Gänsejagd in Mecklenburg. Mit einem umstrittenen Aufruf bläst der Fischereiverein Ulm/Neu-Ulm an Donau und Iller zur Jagd auf den Kormoran. "Die Vögel fressen unsere kleinen Flüsse und Bäche leer", sagt Vorsitzender Jürgen Fischer.

Für die Jäger solle mit der Aktion ein Anreiz geschaffen werden. Angler seien beim Schutz der Fische und der Natur auf ihre Unterstützung angewiesen. Waidmanns heil, heißt es am Ende des Schreibens, das möglichst viele Grünröcke, deren Reviere an Gewässern liegen, erreichen soll.

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Als Anerkennung eine Tombola

Als Anerkennung gibt's im März des kommenden Jahres eine Tombola. Die Jäger müssen jedoch - als Nachweis ihrer erfolgreichen "Schutzmaßnahmen" - die Schnäbel der erlegten Vögel mitbringen. Für jede "Trophäe" wandert dann jeweils ein Los mit dem Namen des Schützen in die Lostrommel. Will heißen: Je mehr tote Kormorane, desto größer die Chance auf Gamsbock- oder Gänsejagd.

Franz Josef Schick, Präsident des schwäbischen Fischereiverbandes, glaubte zunächst an einen üblen Scherz, als er vom Appell der Ulmer Petri-Jünger hörte. Ein derartiges "Spektakel" bringe die Fischer in ihren Bemühungen, die Bestände der Kormorane zu reduzieren, keinen Millimeter weiter. Schick: "Diese Aktion ist mit dem Fischereiverband nicht abgestimmt." Schon heute gebe es eine klare Regelung für einen sachgerechten Vollzug der Jagd. Kormorane dürfen in Bayern und Baden-Württemberg vom 16. August bis 15. März unter bestimmten Voraussetzungen geschossen werden. "Niemand will die Tiere ausrotten, sondern ihre Zahl soll auf ein erträgliches Maß verringert werden." Dazu stünden die Fischereivereine in intensivem Kontakt mit den Jägern. "Wir haben inzwischen ein vernünftiges Klima erreicht", sagt Schick.

Erst jüngst, beim Deutschen Fischertag in München, war das Problem der Kormoran-Population wieder hochgekocht. DFV-Präsident Holger Ortel bekräftigte dabei seine Forderung nach einem europaweiten Vorgehen gegen den Vogel des Jahres, der noch bis 1997 völlig geschützt und lange vom Aussterben bedroht war.

Franz Geldhauser, im Bayerischen Landwirtschaftsministerium für die Fischerei zuständig, versteht die Sorgen der Angler und Teichbesitzer. 7000 bis 8000 Kormorane würden im Winter auf ihrem Flug von Nord- und Ostsee ans Mittelmeer im Freistaat bleiben. Rund 500 Brutpaare lebten auch im Sommer hier. "Wir haben tatsächlich ein schwer zu lösendes Problem, die Schäden sind enorm", sagt Geldhauser. Dabei würden schon jetzt im Schnitt jährlich 7000 Vögel erlegt.

Vogelschützer kritisieren schärferen Abschuss

Den Kormoran charakterisiert er als "hochaktiven und effektiven Jäger." Die schwarzen Vögel fallen in ganzen Trupps auf die Gewässer ein, treiben die Fische wie im Netz vor sich her und schlagen dann zu. Geldhauser: "Und sie sind exzellente Taucher. Da kommt nichts aus."

Der Landesbund für Vogelschutz widerspricht den Forderungen der Fischer und Angler nach einem schärferen Abschuss entschieden. Der Kormoran werde zum "Sündenbock" gemacht. Von den wirklichen Problemen im Gewässerschutz werde abgelenkt. Im Rückgang der Bestände manch heimischer Fischarten spiele der Vogel eine untergeordnete Rolle. Die Daten aus den regelmäßig durchgeführten "Volkszählungen" bayerischer Kormorane würden beweisen, so die Vogelschützer, "dass die Bestände seit mehr als 15 Jahren weitgehend konstant geblieben sind". Jörg Sigmund

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