Der Bayerische Rundfunk reagiert auf den Streit um die Fastenrede am Nockherberg. In der zweiten Ausstrahlung heute Abende fehlen die umstrittensten Passagen. Von Michael Mang

Der Bayerische Rundfunk schneidet in der heutigen zweiten Ausstrahlung die Passage mit dem umstrittenen KZ-Vergleich aus der Nockherberg-Übertragung. "Wir mussten die Sendung ohnehin kürzen, da lag es nahe die Passagen rauszulassen", sagte BR-Sprecher Detlef Klusak.
Die Sendung, die heute Abend um 19.45 Uhr beginnt, sei rund 30 Minuten kürzer als die Veranstaltung. "Es geht nicht darum, irgendetwas zu verbergen", sagte Klusak. "Wer die Stelle sehen wollte, hat sie ohnehin schon gesehen." Dabei verwies der Sprecher auf die 2,7 Millionen Zuschauer. Außerdem sei das Video weiterhin im Internet zu sehen.
Anspielung auf Konzentrationslager
Der Schauspieler Michael Lerchenberg hatte als Darsteller des "Bruder Barnabas" einen Sturm der Empörung ausgelöst. Er hatte in der satirischen Rede am Mittwochabend fabuliert, Westerwelle wolle alle "Hartz IV"-Empfänger in einem mit Stacheldraht umgebenen Lager in Ostdeutschland sammeln. Über dem Eingang, "bewacht von jungliberalen Ichlingen im Gelbhemd, steht in eisernen Lettern: Leistung muss sich wieder lohnen". Dies wurde allgemein als Anspielung auf den menschenverachtenden Spruch "Arbeit macht frei" am Tor des Nazi-Konzentrationslagers Auschwitz verstanden.
Das hatte landesweit für viel Empörung gesorgt. Einige Politiker wollen das traditionelle "Derblecken" in Zukunft ganz auslassen. Nach FDP-Chef Guido Westerwelle will nun auch Bayerns Sozialministerin Christine Haderthauer (CSU) den Nockherberg boykottieren.
"Permanente und grobe Grenzverletzungen"
Seit drei Jahren habe die Fastenpredigt "wenig mit geistreicher und treffender Satire zu tun, sondern glich eher einem von politischem Sendungsbewusstsein überlagerten, niveaulosen Gepolter", sagte die CSU-Politikerin dem "Münchner Merkur". In der Rede von Kabarettist Michael Lerchenberg habe es "permanente und grobe Grenzverletzungen" gegeben.
Haderthauer sagte, sie habe "keine Lust", die Veranstaltung "als Repräsentantin der Staatsregierung auch noch aufzuwerten". Sie werde erst wieder am Nockherberg dabei sein, wenn die Fastenpredigt "eine Form findet, die dem ursprünglichen und erfolgreichen Gedanken des humorvollen, geistreichen Vorhalten des Spiegels entspricht, durchaus mit Spitzen, aber eben auch mit Augenzwinkern". (mig/ddp)
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