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Prozess gegen Audi-Mitarbeiter: Ohne Schmiergeld gab es keinen Auftrag

Prozess gegen Audi-Mitarbeiter

Ohne Schmiergeld gab es keinen Auftrag

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    Dämpfer für Audi: Absatz sinkt im August
    Dämpfer für Audi: Absatz sinkt im August Foto: DPA

    Um Bestechung bei Automobilhersteller Audi geht es seit Montag vor dem Ingolstädter Amtsgericht. Mindestens 418.000 Euro soll ein ehemaliger Mitarbeiter (48) von Zulieferfirmen kassiert haben.

    Der Fall könnte nur die Spitze des Eisbergs sein, denn gestern packten zwei Schmiergeldzahler überraschend aus. Demnach bekam noch mindestens ein weiterer Audi-Mitarbeiter Bargeld für "Hilfestellung" bei Auftragsvergaben. Darüber hinaus gibt es auch Ermittlungen bei anderen deutschen Autoherstellern.

    Aufgeflogen ist der Angeklagte, weil er sich von einer langjährigen Lebensgefährtin trennte. Danach erpresste die Frau den Mann. Sie wollte 150.000 Euro Schweigegeld. Sie ist inzwischen rechtskräftig verurteilt. Nach ihren Angaben soll der Angeklagte mindestens drei Millionen Euro abkassiert haben.

    Die Wirtschaftsabteilung der Staatsanwaltschaft München II legt dem Mann 117 Fälle von Bestechlichkeit im geschäftlichen Verkehr zur Last. Außerdem lautet die Anklage auf Steuerhinterziehung und den Besitz von Kinderpornos, die nach einer Hausdurchsuchung auf dem Computer entdeckt wurden. Der Angeklagte räumt die Steuerhinterziehung ein. Die Kinderpornos habe er unbeabsichtigt heruntergeladen und nie genauer angesehen.

    Was den Schmiergeld-Vorwurf anbelangt, stellt er keine Summen in Frage, wohl aber den Hergang. Er habe die Gelder als "Geschenk" erhalten, aber nie vor einer Auftragsvergabe, sondern erst danach. Das seien "völlig normale Vorgänge". Bei Audi gebe es "eine alte Überlieferung", wonach Zulieferer erst ins Geschäft kommen würden, wenn sie dem Vermittler eine Provision zukommen ließen, die etwa einem halben Prozent des Umsatzes entspreche.

    Außerdem habe er Firmen beraten, wie sie Maschinen besser auslasten, das Rohmaterial günstiger einkaufen oder sich für die Zukunft aufstellen müssen. Die Unternehmer hätten ihre Dankbarkeit für diese Ratschläge oft mit Bargeld ausgedrückt. "Sie waren also nebenbei auch noch Unternehmensberater", fasste Richter Roland Walentin zusammen.

    Mindestens sechs Zulieferer haben laut Anklage jahrelang kräftig geschmiert. Oft mit monatlich 5000 Euro und mehr oder mit Einzelbeträgen von bis zu 40.000 Euro. Das Geld wurde im Kuvert übergeben oder per Einschreiben geschickt. Die Spur konnten Kripo und Finanzamt leicht verfolgen, denn der Mann zahlte laufend hohe Summen auf eines seiner Konten. In der Schweiz soll er noch Nummernkonten haben, auf denen der größte Teil des Geldes gebunkert sein soll, sagt seine frühere Lebensgefährtin.

    Die Schmiergeldzahler sind als Zeugen geladen. Gegen die meisten wird ermittelt. Vier machen von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch. Einer ist bereits wegen Bestechung verurteilt. Der 44-jährige Geschäftsführer zahlte nicht nur, sondern finanzierte auch fünf Bordellbesuche für den Angeklagten und einen seiner Audi-Kollegen. Auch der habe sich immer wieder schmieren lassen. Der nächste Zeuge im teuren Anzug betonte, der Angeklagte habe klar gesagt, dass man bei Audi erst ins Geschäft komme, wenn er 100 000 Euro in bar erhalte. Als man gezahlt habe, seien auch die Aufträge gekommen. In vier Jahren habe sich sein Unternehmen mit Schmiergeld 18 Millionen Euro Umsatz bei Audi erkauft.

    Ein Zulieferer aus dem Raum Bochum bestätigt ebenfalls die Anklage des Staatsanwaltes: Man sei erst zum Zug gekommen, als der Geschäftsmann bei einem Abendessen in einem Ingolstädter Biergarten ein Kuvert übergeben hatte. Darin befanden sich 15.000 Euro, die der 48-Jährige als "erstes Zeichen des guten Willens" gefordert hatte. Richter Walentin: "Das Schmiergeld war wie der Mitgliedsbeitrag im Klub der Bieterfirmen."

    Schon vor Jahren habe sich der Angeklagte zu seiner ersten Million gratulieren lassen, sagt ein Zulieferer. Das deutet darauf hin, dass die frühere Lebensgefährtin recht haben könnte, was die Gesamtsumme an Bestechungsgeldern anbelangt. Vor drei Jahren schied der 48-Jährige bei Audi aus und kassierte eine Abfindung. Seither ist er in Rente - er habe Herzprobleme, sagte er. Das Urteil könnte nächste Woche fallen. ( Harald Jung)

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