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20. April 2010 19:01 Uhr

Augsburg

Pfarrer sind von Bischof Mixa schwer enttäuscht

Pfarrer Albert L. Miorin hat in seiner Predigt im Augsburger Stadtteil Hochzoll kritische Anspielungen auf Bischof Mixa gemacht. Seine Worte finden Nachhall in der ganzen Diözese. Von Daniel Wirsching, Christoph Frey und Hermann Schmid

Bischof Mixa
Foto: DPA

Die Heilig-Geist-Kirche im Augsburger Stadtteil Hochzoll bietet am Dienstnachmittag ein friedliches Bild. Arbeiter werkeln am Pfarrheim, auf dem Rasen kicken ein paar Buben. Doch die Predigt von Pfarrer Albert L. Miorin am Sonntag findet Nachhall in der ganzen Diözese.

"Leugne dein Versagen so wenig wie Petrus es leugnen konnte. Hab den Mut und steh dazu. Kirche gestehe deine Fehler ein: dein eigenartiges Verhältnis zu Sexualität, deine Angst vor Homosexualität, deine Unehrlichkeit in manchen Zusammenhängen, dein ,so tun als ob', dein Verstecken, Verschweigen und Leugnen", sagte Miorin und machte dann eine böse Anspielung, die unverkennbar auf Mixas Medienchef Dirk Hermann Voß gemünzt ist: "Lass dich durch keinen machtgeilen Pressesprecher davon abhalten." Und weiter: "Oder kreist du nur um dich, liebst dein Pöstchen, dein Amt, das Tamtam um dich herum, den Weihrauch, die Kunst, den Luxus."

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Ja, so habe er es gesagt, bestätigt Miorin, ein kräftig gebauter 52-Jähriger mit goldenem Ring im linken Ohr. Und er habe kein Wort zurückzunehmen. Dass seine Worte als Kritik am Augsburger Bischof Walter Mixa empfunden werden, ist Miorin völlig klar.

Dennoch, so habe er es nicht gemeint. Er habe die gesamte katholische Kirche im Auge gehabt, denn "diese braucht zurzeit einen Neuanfang". Den Gottesdienstbesuchern sprach der Pfarrer aus dem Herzen, sagt ein Gemeindemitglied: "Miorin sagt, was gesagt werden muss."

Gersthofer Priester mit deutlichen Worten

Nicht nur er. Ralf Gössl, der 45-jährige Pfarrer der Pfarreiengemeinschaft Gersthofen (Kreis Augsburg), verlas am Wochenende zu Beginn gleich dreier Gottesdienste einen bemerkenswerten Text: "Dass ein Bischof seine Diözese und die gesamte Öffentlichkeit belügt, das ist unannehmbar", heißt es darin. Und weiter: "Ich weiß, dass sehr viele Menschen unter diesem Glaubwürdigkeitsverlust furchtbar leiden und auch mit der Kirche hadern."

Auch in Königsbrunn predigt mit Bernd Weidner ein Priester, der von seinem Bischof tief enttäuscht ist. Gottesdienstbesucher berichten von einer Predigt Weidners, die man als Rücktrittsforderung habe verstehen können. Danach soll Weidner "Nachhilfeunterricht von den Protestanten" empfohlen haben. Die evangelische Bischöfin Margot Käßmann habe sich zu ihren Fehlern bekannt und habe damit Ansehen und Respekt erworben. Mixa - ohne seinen Namen zu nennen - warnte er vor dem Versuch, die Krise "auszusitzen"; notfalls müsse man auf ein Einschreiten Roms hoffen - so berichten die Gottesdienstbesucher.

Viele Priester leiden, und das sagen sie unmissverständlich - viele von ihnen allerdings anonym: Ihre Kritik fällt ihnen nicht leicht, schließlich haben sie Bischof Mixa bei ihrer Priesterweihe Gehorsam versprochen. Die Priester erzählen von Gesprächen mit Gläubigen, die Mixas Verhalten einfach nicht mehr verstehen. Erst beteuerte er wochenlang seine Unschuld, dann räumte er "Watschn" ein. Erst ließ er ehemaligen Heimkindern, die ihn in eidesstattlichen Versicherungen vorwerfen, er habe sie brutal geschlagen, mit zivil- und strafrechtlichen Schritten drohen - dann bat er um Verzeihung. Ein Pfarrer meint dazu: "Dieser Eiertanz ist dem Amt eines Bischofs unwürdig."

Lage für Priester belastend

Er und viele seiner Kollegen empfinden die Lage als belastend. "Das zerreißt mich innerlich", sagt er. Ein junger Kaplan berichtet von seinen Begegnungen mit Kirchgängern. Er müsste eigentlich seinen Bischof verteidigen, dabei zweifelt er selbst an ihm. "Ich habe meine Hoffnung in diesen Mann gelegt, darauf, dass er ein guter Hirte ist. Doch er hat dieses Vertrauen maßlos enttäuscht."

Der Kaplan sei seit Ostern dabei zu schlichten und das zu reparieren, was Mixa kaputt gemacht habe. Ihm fielen keine ehrlichen Worte zu dessen Verhalten ein, sagt er. "Ich tu mich wahnsinnig schwer, ihn als meinen Bischof anzuerkennen."

Vor dem Priesterrat ist es Mixa dagegen gelungen, Zeit zu gewinnen. Die rund 30 Mitglieder berichteten zwar von der verheerenden Stimmung an der Basis, verzichteten aber auf offene Rücktrittsforderungen. "Wir haben dem Bischof aber keinen Blankoscheck ausgestellt", sagte ein Priester. Man erwarte die volle Aufklärung aller Vorwürfe.

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