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01. Februar 2008 08:45 Uhr

Rauchverbot: Ein Monat draußen vor der Tür

Augsburg/Ingolstadt/Kempten. Die versperrte Tür soll die Gäste anlocken. "Geschlossene Gesellschaft", hat der Wirt mit blauem Filzstift auf ein Blatt geschrieben und hat das Schild neben die Eingangstür gehängt. Einladend geht anders. Von Karin Seibold

Seit Jahresbeginn haben Raucher in insgesamt elf Bundesländern schlechte Karten. (Bild: dpa)
Foto: DPA

Von Karin Seibold

Augsburg/Ingolstadt/Kempten Die versperrte Tür soll die Gäste anlocken. "Geschlossene Gesellschaft", hat der Wirt mit blauem Filzstift auf ein Blatt geschrieben und hat das Schild neben die Eingangstür gehängt. Einladend geht anders. Doch Ludwig Überacker ist sicher: Das ist seine einzige Chance. "Wenn ich meine Raucher verliere, kann ich zusperren", fürchtete er noch im Dezember. Doch gerade dieses Zusperren löst nun womöglich sein Problem: Mit dem System "geschlossene Gesellschaft" hat der Wirt des Pilspub "Malu" in Ingolstadt einen Weg gefunden, das Rauchverbot zu umgehen. Er ist nicht der einzige.

Vor genau einem Monat ist das bayerische Nichtraucherschutzgesetz in Kraft getreten. Seither verzeichnet der "Verein zum Erhalt der bayerischen Wirtshauskultur" täglich bis zu 50 neue Gastronomen als Mitglieder, sagt der Vorsitzende Heinrich Kohlhuber. Die Raucher, erklärt er, würden durch das Gesetz zu "Menschen zweiter Klasse".

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Während er den Verlust eines Teils bayerischer Gemütlichkeit beklagt, freuen sich andere über den Gewinn eines Stücks Lebensqualität. "Erstaunlich harmonisch", findet Willi Sauerhering vom Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband, sei die Umstellung auf die Nichtrauchergastronomie geglückt. Zwar gebe es in den Städten "manchmal schon Stress, lärmtechnisch", aber "von größerem Theater" sei ihm "nichts bekannt".

Vielerorts ist das Gesetz schon zur Gewohnheit geworden. Wenn die Sucht plagt, ziehen sich die Raucher brav ihre Jacken über. Draußen vor der Tür stellen sie sich im Halbkreis um kniehohe Aschenbecher und pusten graue Wölkchen in den Himmel. Die Nichtraucher bleiben wartend im Warmen zurück. Weil es durch das ständige Hin und Her in manchen Kneipen aber schon zu Zechprellereien kam, kassieren einige Bedienungen mittlerweile jedes Getränk einzeln ab.

"Das Gute ist: Man stinkt nicht mehr, wenn man nach dem Weggehen heimkommt", sagt Ursula Heffner, Nichtraucherin und Teil der "geschlossenen Gesellschaft" im Ingolstädter "Malu". Einmal pro Woche nimmt sie den Zigarettenqualm aber noch hin. Dann trifft sie, wie an diesem Tag, ihre Stammtischfreunde. Dass für solche Abende nun die Eingangstür per Zugangskarte geöffnet werden muss, stört die kleine Gruppe wenig: Dass "die Regierung" über das Freizeitverhalten "erwachsener Menschen bestimmen will", sei "nicht in Ordnung" - das finden alle, die auf dem kleinen Tisch ihre Getränke abgestellt haben. Selbst die Nichtraucher nehmen es deshalb gelassen hin, dass dort weiter gequalmt werden darf.

"Die Raucher werden entmündigt", sagt auch Werner Bachhuber und kramt nach seinen Zigaretten. Lokale, in denen er die nicht mehr anzünden darf, will er nicht mehr betreten, sagt er. Er habe keine Lust, "für jede Kippe" vor die Tür zu gehen.

Geschäftsidee: Holzschuppen "de luxe" mit Stereoanlage

"Das zerstört jede Gemütlichkeit", sagt auch Hanspeter Hold, Betreiber des "Ritterkeller" in Kempten. Anfang Januar hat auch er die Aschenbecher von den Tischen geräumt. Doch mittlerweile macht er sein Lokal am Wochenende zum Raucherclub und lässt seine Türsteher Mitgliederausweise kontrollieren.

Ob und wie solche "Clubs", "Vereine" oder "geschlossene Gesellschaften" rechtlich Bestand haben werden, wird sich zeigen müssen. Auf der sicheren Seite sind hingegen Pavillons oder Hütten, die Rauchern das Draußen-vor-der-Tür-Stehen versüßen. Mit der "Raucherkrippe Bavaria" hat das Steinbergers Marktblick im oberbayerischen Glonn (Kreis Ebersberg) eine Lösung gefunden, "die nicht nur raucherfreundlich ist, sondern auch noch gut aussieht".

Seither freut man sich dort über "Umsatzsteigerung ohne Ende", wie Inhaber Markus Steinberger es ausdrückt. Obwohl im Lokal das Rauchen schon immer verboten war, wollte er "die Raucher nicht diskriminieren". 1900 Euro netto kostet der offene Holzschuppen in der Grundausstattung, die "De-luxe"-Variante wird auf Wunsch mit gehackten Schindeln, Elektroheizstrahler und Stereoanlage ausgestattet. Lieferzeit: Vier Wochen - "wegen der großen Nachfrage".

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