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Nürnberg: "Rock im Park": Sternstunden am Super-Samstag

Nürnberg

"Rock im Park": Sternstunden am Super-Samstag

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    Super-Samstag bei Rock im Park: Kiss gaben Vollgas.
    Super-Samstag bei Rock im Park: Kiss gaben Vollgas. Foto: dpa

    Der Super-Samstag bei "Rock im Park": ein triumphaler Auftritt von Kiss, eine Sternstunde für die Sportfreunde Stiller, noch mehr musikalische Höhepunkte, Sommer, Sonne, Sonnenschein - und unglaublich viele Menschen unterwegs.

    Mein lieber Herrengesangsverein war da was los, am Samstag in Nürnberg. Paul Stanley, seit geschätzten hundert Jahren Sänger und Gitarrist der Rocklegenden von Kiss, schrie, krächzte, fistelte es so in den Nürnberger Nachthimmel: "A few days ago we played at rock am ring, and there were 90.000 people - but tonight we are more!" Ja, fühlte sich wirklich so an, als wären da gestern 100.000 Menschen auf dem Gelände von Rock im Park unterwegs und nicht nur die 60.000, die da maximal draufdürfen.

    Des Nächtens jedenfalls kam erstmal keiner mehr auf den ja bereits erheblich ausgeweiteten Platz vor der Alternastage, um Jan Delay mit seiner Disko Nr. 1 die Funk-und-Soul-Peitsche auspacken zu sehn, die Halle mit der Clubstage war vollkommen dicht. So viele wollten bei gefühlten 90 Grad da drinnen zu den Brachialrockern von "Heaven shall burn" und den "Broilers" und letztlich auch "Hammerfall", dass zwischenzeitlich einfach nichts mehr ging.

    Aber na gut, draußen in der lauen Sommernacht mit Musikbeschallung allenthalben, einem kühlenden Getränk und fröhlichen Menschen - das ließ sich doch auch aushalten. Es ging jedenfalls sicher lang gestern, für viele wohl so lang, dass sie die Morgensonne noch ganz plötzlich mit ihrem Aufgang überrascht hat. Aber, um nochmal Paul Stanley zu bemühen und den Refrain der letzten Kiss-Zugabe gestern: "Rock all night long and party every day!" Gespucktes Blut und gespucktes Feuer Tatsächlich war der Auftritt der geschminkten Rocker mit dem ungeschminkten Rock'n'Roll der erhoffte Knaller. Die vergleichsweise jungen Hüpfer von Rammstein tags zuvor hatten eineinhalb Stunden mit deutlich reduzierter Effekt-Show und ohnehin etwas steril vorgetragener Wucht absolviert. Till Lindemann ist zarte 47. Paul Stanley ist 58, sein züngelnder Kollege Gene Simmons wird 61 - und die Herren absolvierten ein gut zweistündiges Set mit vollem Spektakel: Es gab gespucktes Blut und gespucktes Feuer, den fliegenden Simmons, Kanonaden, ins Publikum fahrende Gondeln, ein in den Himmel gehobene Schlagzeug und Feuer, Feuer, Feuer.

    Und natürlich alle großen Hits aus bald 40 Jahren Bandgeschichte bis hin zu "I was made for loving you" und dem mal wieder zur Hmyne des Abends avancierenden "God gave Rock'n'Roll to you". Und, dass wir uns recht verstehen: Ich spreche hier nicht von Zehntausenden mitgealterten Oldies, die da mitgrölten und - hüpften, nönö! Teenager dabei mit Kiss-Shirt und Schminke, die ganzen harten Jungs und die tänzelnden Mädchen, dabei auch Menschen in Kürbiskostüm und Schildkrötenkostüm und Brautkleid und und und. Aber eben doch nicht alle…

    Sportfreunde Stiller: "ES war eine Wonne für euch zu spielen"

    Denn die Besuchermassen dieses Abends genügten, dass zur gleichen auf der zweitgrößten Bühne die Sportfreunde Stiller eine Sternstunde erlebten. Mit dem Programm ihres aktuellen Albums "Unplugged in New York" wurden Peter, Flo und Rüde, verstärkt durch Streicherinnen und Chor, von einem euphorisch jubelnden und mitsingenden Publikum abgefeiert, dass die Herren das mitunter selbst kaum fassend konnten. "Was ist denn mit euch los?", fragte da der Peter ganz verduzt - und er und der Rüde nutzten die Gelegenheit, um mal so richtig alle Publikums-Dirigier-Spielchen auszuprobieren und alles klappte umwerfend. "Rock im Park - es war eine Wonne für euch zu spielen", resümmierte der Peter schließlich, eine Wonne auch, die Sportis da spielen gesehen zu haben, und dann hauten si natürlich, so kurz vor der WM auch noch "54, 74, 90, 2010" raus, nur von den Streichern begleitet, so richtig als Hymne.

    Jetzt müsste man eigentlich auch noch darüber schreibseln, dass zuvor ja auch Jay-Z sich ordentlich ins Zeug gelegt hatte, um diesem Rock-Publikum mit ziemlich brachialem HipHop ins Hüpfen zu helfen; dass wiederum zuvor seine Genre-Kollegen Cypress ds aber bereits prächtig erledigt hatten mit den Hits ihres bereits 17 Jahre alten Super-Albums "Black Sunday"; dass nebenan die Kasabians einen leider zu Beginn nicht so schön abgemischten, letztlich aber doch mitreißenden Auftritt hinlegten; dass da noch die süße Ellie Golding (hat jemand zufällig deren Telefonnummer?), die Synthie-Freunde von den Editors, die Münchner Freunde von "Fertig, Los!" waren und der überzeugende Roman Fischer aus Augsburg auch - vor allem aber müsste man nochmal Slash loben und seinen Sänger Myles Kennedy ("Alter Bridge" ) nicht nur für ein grandioses Wiederhören des Guns'N'Roses-Krachers "Paradise City"… Aber wer soll das alles noch lesen?

    Und außerdem: Das geht ja nachher weiter! Mit "Gossip" für die Poppigeren, "Alice in Chains" für die Grungigeren, reichlich Stoff für die Härteren: "Stone Sour", "Volbeat", "Slayer", "Motörhead"; und dem wohl für die meisten: MUSE! Wolfgang Schütz

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