Neu-Ulm (kmd) Mut zum modeln hatten elf Bewohnerinnen des Albertinums und posierten in kokett-witzigen Posen für einen Kalender, der extra zum zehnjährigen Bestehen des Senioren-Zentrums aufgelegt wird: "Albertinum-Girls". Am Freitag ab elf Uhr wird gefeiert.
Die Idee zu diesem außergewöhnlichen Kalender lieferte der Kinofilm "Kalendergirls". Hier posen Seniorinnen nackt für einen Kalender, um vom Erlös ein neues Sofa für den Angehörigenraum einer Leukämie-Station kaufen zu können. Petra Daumann, die das Sonnenblumen-Café im Albertinum betreut, sprach Georg Hieber an, der von Anfang an die Senioren im Albertinum betreut und bekannt dafür ist, passionierter Hobby-Fotograf zu sein.
"Etwas Besonderes zum Jubiläum, das war der Grundgedanke", erzählt Hieber. Die Idee schien reizvoll, auch wenn von vornherein klar war, dass die im Film gezeigte Offenheit im von der Caritas mitgetragenen Albertinum nicht akzeptabel schien. Und große Hoffnungen auf große Einnahmen bestehen ebenfalls nicht: "Wir sind froh, wenn wir unsere Kosten decken können", schmunzelt Geschäftsführer Mathias Abel.
Zunächst ging es darum, die Models zu finden. Die Kandidatinnen trafen sich im Café Sonnenblume zum "Casting", Hieber erklärte, was sie vorhaben. "Dann war es erst einmal still", berichtet der Seniorenbetreuer. Schließlich meldete sich eine Dame: "Das find' ich gut, da mach ich mit." Das Eis war gebrochen, auch die anderen waren mit von der Partie.
Drei Samstage wurden festgelegt, an denen die Damen zum "Shooting" geladen wurden - und zum Abschluss gab's noch ein Gruppenbild für den Dezember. Es sei eine große Herausforderung gewesen, sich an die Motive heranzutasten. So wurden Requisiten mit nostalgischem Charakter verwendet, die einen Bezug zu den Models hatten. Für Make-up und Kostüme sorgten ehrenamtlich Helferinnen von der Freiwilligen Familieninitiative im Vorfeld.
Beispielsweise war Ruth Hermann lange die Betreuerin des Sonnenblumen-Cafés, also wurde die bald 81-Jährige umrahmt von Sonnenblumen in einem leichten Sommerkleid auf einen Heuballen gesetzt. Die frühere Wirtin eines Sportheims sitzt an einem gedeckten Gasttisch, eine ehemalige Bergwerk-Arbeiterin posiert stolz mit Schaufel und Schubkarre. Und immer einen frechen Hauch weniger gekleidet, als man es gemeinhin von Damen dieser Altersklasse erwartet: Mal schulterfrei, mal im BH, mal im kurzen Kleid, mal mit ungewohnt offenem Haar. "Es war verblüffend und erfrischend, wie ungezwungen und voller Gaudi die Mädels mit der Situation umgegangen sind", erzählt Georg Hieber. "Na super war das Shooting", erzählt Ruth Hermann und lacht: "Als Frau fühlt man sich einfach gut als Model, auch wenn es erst mit 80 ist." Das sieht man den Bildern an: Irgendwie lächeln alle Seniorinnen mehr oder weniger frech in die Kamera und demonstrieren damit eine fast beneidenswerte Souveränität.
Zu den Jubiläumsfeierlichkeiten, die am Freitag um 11 Uhr im Albertinum beginnen und zu denen alle Bürger eingeladen sind, werden die Kalenderblätter im Rahmen einer Ausstellung gezeigt, Interessierte können gleich ein Exemplar bestellen. Außerdem gibt's Bauchtanz und Tai-Chi, Zeichen für die starken Verbindungen zu Gruppen und Vereinen im Umfeld des Albertinums.