Wetter
So.
20°C
Wetter
Mo.
21°C

09. Februar 2010 20:42 Uhr

Gebirgsjäger: Ex-Soldat packt aus

Soldaten mussten rohe Schweineleber essen

Ein Ex-Soldat packt aus: Er spricht über entwürdigende Mutproben und skandalöse Aufnahmerituale bei den Gebirgsjägern im oberbayerischen Mittenwald. Von Till Hofmann

Die Edelweiß-Kaserne in Mittenwald.

Die Bundeswehr ist mitten in einem neuen Missbrauchsskandal. Der Wehrbeauftragte des Bundestages, Reinhold Robbe, hat die Beschwerde eines ehemaligen Soldaten über entwürdigende Mutproben und skandalöse Aufnahmerituale bei den Gebirgsjägern im oberbayerischen Mittenwald erhalten.

Ein Sprecher von Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg reagierte am Dienstag Abend unmissverständlich: "Der Minister nimmt die Sache sehr ernst." Sollten Gesetze verletzt worden sein, müsse gegen betreffende Personen "ohne Toleranz eingeschritten" werden. "Aufklären, abstellen, Konsequenzen ziehen", forderte zu Guttenberg, der vor 20 Jahren selbst als Soldat in Mittenwald stationiert war. Das sei "das Gebot der Stunde". Das Verteidigungsministerium verwies im Übrigen auf die laufenden Ermittlungen durch die Diszi-plinarvorgesetzten der Soldaten.

ANZEIGE

Die Rituale betreffen nach Informationen unserer Zeitung das Gebirgsjägerbataillon 233 in Mittenwald - und dort den Hochgebirgsjägerzug der ersten Kompanie.

Der Wehrbeauftragte Robbe sprach davon, dass es sich um eine "Angelegenheit von offenbar größerer Dimension" handle. Berichten zufolge sollen Soldaten unter anderem gezwungen worden sein, bis zum Erbrechen Alkohol zu trinken und rohe Schweineleber mit Hefe zu essen, um in der internen Hierarchie aufsteigen zu können.

Auch sollen Soldaten gezwungen worden sein, sich vor Kletterübungen vor den versammelten Kameraden zu entkleiden. In einer Mitteilung an den Verteidigungsausschuss habe Robbe die Vorgänge als "erniedrigend und herabwürdigend" bezeichnet. Vorgesetzte hätten davon Kenntnis gehabt, seien aber nicht eingeschritten.

Auch ehemalige Soldaten waren beteiligt

Die Bundeswehr bestätigte am Montag "zum Teil" die Vorgänge, ohne darauf im Detail einzugehen. Nach den Angaben des zuständigen Pressesprechers Peter Wozniak werde seit dem 4. Februar ermittelt, "um den Sachverhalt umfassend aufzuklären". Vor sechs Tagen seien die Vorwürfe bekannt geworden. Oberstleutnant Wozniak erklärte gegenüber der Augsburger Allgemeinen, dass es Aufnahmerituale seit Ende der 80er Jahre gebe. "Aber erst in den letzten Jahren hat es sich offenbar zu dieser Art und zu dieser Intensität hin entwickelt." Nach dem derzeitigen Stand der Untersuchung hätten sich keine Vorgesetzten oder Offiziere an diesen Praktiken aktiv beteiligt. Es geht um ältere Mannschaftsdienstgrade, die von jungen Soldaten solche Mutproben verlangt haben, führte der Presseoffizier aus. "Maßgeblich sind daran auch ehemalige Mannschaftsdienstgrade beteiligt gewesen."

Über die Zahl der Betroffenen oder Beschuldigten konnte der Bundeswehrsprecher am Dienstag keine Angaben machen. Klar sei hingegen, dass sich die Vorfälle "außerhalb der Dienstzeit und weitgehend außerhalb des Kasernengeländes zugetragen haben".

Inwieweit Vorgesetzte durch eine Duldung der erniedrigenden Riten - der Wehrbeauftragte Robbe sprach von Körperverletzung - ihre Pflichten verletzt haben, kann nach Auskunft Wozniaks im Moment nicht gesagt werden.

Der Bundeswehrstandort in Mittenwald war schon einmal in die Schlagzeilen geraten. Bereits 2006 waren Fotos aus Afghanistan aufgetaucht, auf denen Bundeswehrsoldaten mit einem Totenschädel posierten. Till Hofmann

Jetzt bestellen! Das neue iPad inkl. e-Paper.

Artikel kommentieren


Neu in den Leserblogs

Bayern: Das schreiben Andere

Die Augsburger Allgemeine ist nicht für externe Beiträge verantwortlich.




Leser werben Leser

Das könnte Ihre Prämie sein:

Riesensitzkissen L, braun

e-Paper Abo