Der Protest gegen die dritte Startbahn am Münchner Flughafen wird lauter. Rund 250 Startbahn-Gegner demonstrierten am Freitag mit Trillerpfeifen, Plakaten und Sprechchören vor der CSU-Landesleitung in München gegen das milliardenschwere Bauprojekt. Die Veranstalter sprachen sogar von 500 Demonstranten. Symbolisch trugen sie die "Kulturstadt Freising" und den besonders betroffenen Stadtteil Attaching zu Grabe.
Die Wut der Demonstranten richtete sich vor allem gegen CSU und FDP. "CSU/FDP - Die Heimat-Vernichter" stand auf Plakaten. "Lügenpack, Lügenpack" riefen sie CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt entgegen, der sich in die Menge wagte. Sie bewarfen ihn mit Protest-Flyern und auch von einer Tomate wurde er getroffen.
Die Regierung von Oberbayern hatte am Dienstag mit dem Planfeststellungsbeschluss grünes Licht für das Milliarden-Projekt gegeben. Die Gegner des Bauprojektes - betroffene Bürger und Naturschützer - fürchten Lärm, Luftverschmutzung und Naturzerstörung. Ihr Hauptargument: Der Ausbau des Airports sei nicht nötig, die Anzahl der Flüge sei rückläufig.
Nach Angaben der Flughafen München GmbH (FMG) zählte der Airport bis zur Jahreshälfte rund 202 000 Starts und Landungen. Das sei in etwa der Stand von 2007. In diesem Jahr würden "deutlich über 400 000 Starts und Landungen" erwartet, sagte ein Sprecher. Der Flughafen könne vor allem wegen der fehlenden Kapazität nicht mehr so stark wachsen. In der Hauptzeit komme es bereits zu Engpässen.
Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) und Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) hatten stets die wirtschaftliche Bedeutung des Vorhabens für die Landeshauptstadt und den ganzen Freistaat betont. "Die Staatsregierung ist gesprächsbereit und es wird Gespräche geben", betonte ein Sprecher am Freitag mit Blick auf die Gegner. Zum Ausbau gibt es für Seehofer aber keine Alternative. Politiker von Grünen und Freien Wählern unterstützen dagegen am Freitag die Demonstranten.
"Die Zeit der Gespräche ist vorbei", betonte die Sprecherin des Aktionsbündnisses "AufgeMUCkt", Helga Stieglmeier. "Aber wir werden keine Ruhe geben." 85 000 Einwände der Bürger seien "einfach vom Tisch gewischt" worden. Die Aktivisten kündigten einen "heißen August und einen heißen Herbst" mit weiteren Aktionen an. So solle unter anderem Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) besucht werden, um ihm mit einem Lärmgenerator zu demonstrieren, wie groß die Lärmbelästigung durch die neue Bahn sein kann. "Wenn Parolen der Flughafen-Gesellschaft nachgeplappert werden, ohne selbst nachzudenken, dann braucht man sich nicht zu wundern, wenn der Wutbürger auch hier in Bayern angekommen ist", sagte Stieglmeier.
Bezüge zu den Protesten gegen das Mammut-Projekt "Stuttgart 21", das den "Wutbürger" im vergangenen Jahr erstmals in die Schlagzeilen brachte, gab es zuhauf. "Es wird Euch ergehen wie CDU/FDP in Stuttgart", hatte Demonstrant Roland Hettrich aus dem Landkreis Dachau auf sein Plakat geschrieben. Er ist sich sicher: Der Streit um die Erweiterung des Flughafens könnte zu einem "München 21" werden. Soweit ist es aber noch nicht - als die Polizei die Demonstration auflöste, gab es keinerlei Zwischenfälle.
Am Dienstag hatte die Regierung von Oberbayern mit dem Planfeststellungsbeschluss grünes Licht für das Milliarden-Projekt gegeben. Die Gegner des Bauprojektes - betroffene Bürger und Naturschützer - fürchten Lärm, Luftverschmutzung und Naturzerstörung. (dpa/AZ)