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14. Januar 2008 12:34 Uhr

Porträt

Tiergartenchef Dag Encke: "Wir sind selbst unsere größten Kritiker"

Jeden Morgen ist Dag Encke am Haupteingang des Nürnberger Tiergartens von Kameras und Mikrofonen umlagert. Gelassen gibt der Zoodirektor Auskunft über das Heranwachsen des Eisbärenbabys, erzählt, wie viel es getrunken hat und dass es schon bald die Augen öffnet.

Denn der anfänglichen Freude über Tierbabys folgte in Nürnberg in den vergangenen Jahren oft die Ernüchterung. Insbesondere die Delfinaufzucht steht unter einem schlechten Stern: Sieben Jungtiere starben in den vergangenen drei Jahren. Der Nürnberger Tiergarten, den Encke seit Anfang 2005 leitet, steht deshalb immer wieder in der Kritik von Tierschutz-Aktivisten.

Das «Eisbärendrama» mit zwei toten Babys hat Encke erneut heftige verbale Attacken und sogar eine Strafanzeige eingebracht. Zumindest nach außen hin lässt der Tiergartenchef die Kritik an sich abprallen. «Wir sind selbst die größten Kritiker unserer Arbeit», sagt er. Doch im Fall der Eisbärenbabys habe der Zoo professionell gehandelt und richtig entschieden. Über Wochen hat Encke daran festgehalten, nicht in die natürliche Aufzucht der Eisbärenbabys einzugreifen. Als entschieden wurde, der Bärenmutter Vera ihr Kleines aus Sicherheitsgründen wegzunehmen, «hätte ich heulen können», sagt er.

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Als Chef des Nürnberger Zoos sieht er es als seine Hauptaufgabe an, «eine sehr gute Tiergärtnerei zu betreiben». Kommunikation mit den Besuchern und der Öffentlichkeit gehöre essenziell dazu: «Sonst könnten wir auch zuschließen und eine reine Zuchtanstalt betreiben.» Gerade das große Interesse am Eisbärenbaby begreift Encke als Chance, über die Gefährdung der Wildtiere und ihrer Lebensräume aufzuklären. Neben den Medien seien die Tiergärten für diese Fragen «die stärksten Multiplikatoren».

Das Interesse an der Arbeit im Tiergarten wurde bei Encke früh geweckt: Sein Vater leitete den Zoo in Krefeld. Nach Biologiestudium und Promotion wollte Encke ursprünglich im Umweltschutz arbeiten und liebäugelte sogar damit, in die Politik zu gehen. Dann entschied er sich doch für den Zoo. «Hier sieht man direkt die Erfolge seiner Arbeit - allerdings auch die Misserfolge.» Acht Jahre lang arbeitete er als Kurator im Allwetterzoo in Münster, ehe er 2005 nach Nürnberg wechselte. Schlagzeilen ganz anderer Art machte Encke hier schon einmal: Im Oktober 2005 kam er zufällig hinzu, als ein Mann auf offener Straße seine Ex-Frau erschoss. Encke wollte die Tat verhindern und erlitt einen Bauchschuss. Die Kugel verfehlte seine Hauptschlagader nur um wenige Zentimeter.

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