(AZ). Vor sechs Jahren wurde die zwölfjährige Vanessa aus Gersthofen grausam ermordet. Jetzt hat der Mörder erstmals einen Antrag auf vorzeitige Haftentlassung gestellt. Dieser wurde abgelehnt, doch Vanessas Eltern sind dennoch enttäuscht von der Justiz.
Zu zehn Jahren Gefängnis wurde der damals 19-jährige Täter verurteilt. In einem Interview mit der TZ spricht Vanessas Mutter über die Vorstellung, dass der heute 25-jährige Mörder ihrer Tochter zwar noch nicht sofort, aber vielleicht doch vorzeitig aus der Haft entlassen wird: "Acht, neun oder zehn Jahre. Was spielt das für eine Rolle? Das macht unsere Vanessa nicht mehr lebendig."
Wütend aber ist die Mutter darüber, dass das schwere Verbrechen 15 Jahre nach der Entlassung des Mörders aus dessen Führungszeugnis gestrichen wird: "Das ist für uns ein weiterer Schlag ins Gesicht. Vanessas Tod kann man nicht streichen."
Doch das ist nicht das einzige in der deutschen Gesetzgebung, was die Eltern der ermordeten Schülerin kritisieren. Es dürfe nicht sein, dass die Wiedereingliederung eines Straftäters mehr zähle als der Schutz möglicher zukünftiger Opfer. An eine positive Zukunftsprognose für Vanessas Mörder glaubt die Mutter nicht: "Er hat niemals Liebe, Vertrauen, Zuverlässigkeit und Zuneigung erlebt. Glauben Sie, dass sich daran im Gefängnis etwas geändert hat?"
Trotz des schweren Verlustes haben Vanessas Eltern wieder zurück zu einem Alltag gefunden, "auch wenn der Weg dahin schwer war."