Der Einsatz der Rosenheimer Polizisten und dessen juristische Aufarbeitung hatte von Anfang an einen faden Beigeschmack. Warum war die Familie angeklagt, während die Ermittlungen gegen die Polizisten eingestellt wurden? Wer hatte Schuld an der Eskalation? Gewalttätige Polizisten oder eine renitente Familie? Beide?
Der Gerichtssaal wäre ein guter Ort gewesen, um Antworten in dieser rätselhaften Angelegenheit zu erhalten. Doch die Justiz in Rosenheim hat versagt. Nach sechs Verhandlungstagen wird jetzt das Verfahren überraschend eingestellt. Wegen geringer Schuld der Angeklagten. Und aus „prozessökonomischen und finanziellen Gründen“, sagt der Richter. Hätte die Justiz ein echtes Interesse an Aufklärung gehabt, wäre es auf diese Kosten jetzt auch nicht mehr angekommen.
Es scheint eher so: Bei weiteren Zeugenvernehmungen von Polizisten bestand die Gefahr, dass die Rechtmäßigkeit des Prügeleinsatzes immer mehr ins Wackeln gekommen wäre. Und nun, ausgerechnet an diesem Punkt, da erst einer von zehn beteiligten Polizeibeamten als Zeuge ausgesagt hat, wird das Verfahren eingestellt. Das hinterlässt den Eindruck einer Kumpanei zwischen Polizei und Justiz. Und das nutzt niemandem.
"Lesen Sie dazu „Prozess um Rosenheim-Cops eingestellt“.