Naturschützer wollen den Menschen im bayerischen Oberland die Angst vor dem freilaufenden Wolf nehmen. Mit einem Leitfaden zum Umgang mit Wölfen wollen die Gregor-Louisoder-Umweltstiftung und der WWF um Verständnis für das Tier werben. "Lernen, mit den Wölfen zu leben" lautet die Schrift, die knapp 80 Seiten umfasst. Darin sollenFragen zu dem Raubtier beantwortet werden. Denn der Wolf wird in Deutschland immer mehr heimisch.
Eine Umstellung sei zwar notwendig, jedoch bestehe für Menschen in aller Regel keine Gefahr, erklärten die Naturschützer am Mittwoch bei der Vorstellung des Heftes. Die Begegnung mit einem Wolf sei die absolute Ausnahme und für manchen eher großes Glück als Bedrohung.
Die Rückkehr des Wolfes als großer Erfolg
"Es geht nicht um einen Wolf, es geht um eine Entwicklung", sagte der WWF-Referent für Artenschutz, Janosch Arnold. Insgesamt leben in Deutschland rund 60 Wölfe, die meisten in Sachsen und Brandenburg. Auch in den Nachbarländern Italien, Frankreich und Polen sowie in Slowenien und Kroatien gebe es wieder Wölfe. Die Umweltschützer sehen die Rückkehr des Wolfes als großen Erfolg. Allerdings müssten die Menschen frühzeitig informiert und Zuständigkeiten geklärt werden. Deshalb müssten schon jetzt für alle Bundesländer "Wolfs-Pläne" erstellt werden.
Der junge Wolfsrüde, der seit Ende 2009 im Mangfallgebirge herumstreicht, hat neben Rotwild und Rehen auch weit mehr als zwei Dutzend Schafe gerissen. Die Almbauern schreiben auch Abstürze von Kühen dem Wolf zu. Aus ihrer Sicht passt das Raubtier nicht in die kleinräumig bewirtschaftete und dicht besiedelte Kulturlandschaft. Allerdings darf das Tier nicht einfach gefangen und umgesiedelt werden - der Wolf steht unter strengem Schutz.
Seit Monaten arbeiten die unterschiedlichen Interessengruppen an der zweiten Stufe des Managementsplanes für Wölfe, doch bisher geht es kaum voran. Behörden, Naturschützer, Bauern und Jäger müssten jetzt an einem Strang ziehen. Christoph Heinrich, WWF-Abteilungsleiter Naturschutz, rief auch die Almbauern auf, sich auf Lösungen einzulassen. "Die Lösungen sind alle kein Hexenwerk." Die Bauern dürften aber nicht alleine gelassen werden. "Es gibt keinen Grund zur Panik, aber Grund zum Handeln", sagte Heinrich. Denn in wenigen Wochen beginnt die Saison auf der Alm. Doch noch immer ist nicht ganz klar, wie die Bauern ihr Vieh schützen können.