Der Politikstil von CSU-Chef Horst Seehofer macht offenbar Schule. „Sie können das alles senden!“, rief Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) gestern im Landtag Journalisten hinterher, nachdem er zuvor die Idee nach allen Regeln der Kunst zerlegt hatte, zur Beschleunigung der Energiewende im Freistaat ein neues Bayernwerk zu gründen. Zeils wuchtiger Auftritt hat eine heikle Pointe: Die Idee mit dem Bayernwerk kommt von Seehofer, der erst letzte Woche mit einem Fernsehinterview („Sie können das alles senden!“) Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) politisch den Garaus gemacht hatte.
Ob es für eine Regierungskrise in Bayern reicht, ist offen. Fest steht: Zeil hält Seehofers Vorstoß für Unsinn und macht daraus keinen Hehl. Die CSU habe einst „mit guten Gründen das Bayernwerk privatisiert“, sagte Zeil. Eine „Bayernwerk-Renaissance“ sei mit der FDP nicht zu machen. Begründung: Ein Staatsbetrieb müsste sich – zum Beispiel beim Bau von Gaskraftwerken – genauso an das Gebot der Wirtschaftlichkeit halten wie private Unternehmen auch.
Den Begriff Unsinn verwendete Zeil freilich nicht. Er kleidete seine Kritik in feinen Spott. „Niemandem in der Koalition ist es verboten – auch nicht der CSU oder Teilen der CSU –, dass er sich seine eigenen Gedanken macht“, ätzte Zeil.
Der Vorstoß Seehofers war gezielt. Er wollte das Gipfeltreffen der Ministerpräsidenten bei Kanzlerin Angela Merkel zur Energiewende voranbringen. Bewirkt hat er aber offenbar nur wenig.