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29. Juli 2010 19:05 Uhr

Beurteilungen

Zeugnisse: Die verbale Trickkiste der Lehrer

Bei der Beurteilung in Zeugnissen greifen Lehrer auch in die verbale Trickkiste. Aber was heißt das dann, was da steht? Von Uta Baumann

Zeugnisse

Der Schüler "entwickelte zur Konfliktlösung konstruktive Ideen". So etwas macht sich im Zeugnis nicht nur sehr gut, sondern bedeutet auch sehr gut. Ein "sehr gut" im Sozialverhalten. Steht dort allerdings "stand Lösungsvorschlägen uneinsichtig gegenüber", heißt das, dass das Sozialverhalten des Schülers nicht befriedigend war.

Da viele Schüler genau über ihre Leistungen Bescheid wissen, sind die Noten bei der Zeugnisausgabe meist keine Überraschung mehr. Die einzig spannende Frage, die bleibt, ist die, was in der Beurteilung über Mitarbeit und Sozialverhalten steht. War ich "stets für alle neuen Lerninhalte zu begeistern" (= sehr gut) oder nur "für Lerninhalte offen, die mich interessierten" (= befriedigend)?

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Warum manche Sätze sehr konstruiert wirken und man zwischen den Zeilen lesen muss, um sie zu verstehen, hat einen Grund: "Die Formulierungen sind für die Lehrer oft eine Gratwanderung", weiß Hans Schweiger, Leiter der staatlichen Schulberatung Schwaben. Noten sind ein Fakt, Worte dagegen sind interpretierbar und führen manchmal zu Missverständnissen zwischen Lehrern und Eltern.

Kritik darf nie herabwürdigend sein

Doch alles schönzureden, nur damit es zu Hause keinen Ärger gibt, bringt auch nichts. Vor allem bei den Grundschülern, die in den ersten beiden Jahren noch keine Noten bekommen, sind die Texte sehr ausführlich formuliert "und deren Aussagen sehr wichtig", sagt Schweiger. Wenn Anlass zu Kritik besteht, dürfe diese aber nie herabwürdigend sein. Statt zu schreiben "der Schüler ist ein Schlamper", heißt es dann eben "er war nicht immer in der Lage, die notwendigen Arbeitsunterlagen bereitzustellen".

Für die Lehrer gibt es als Hilfe für das Erstellen der Zeugnisse lange Listen mit allerhand Formulierungen: Hat der Schüler die Hausaufgaben "über das geforderte Maß hinaus erledigt" (= sehr gut) oder wurden sie nur "unzuverlässig und sehr lückenhaft angefertigt" (= nicht befriedigend)? Die verbale Trickkiste, aus der die Lehrer auswählen können, ist groß. Bereiche wie Interesse und Arbeitsweise sind ebenso abgedeckt wie Konfliktverhalten und Kommunikation. Sie können diese vorgefertigten Satzbausteine verwenden, müssen es aber nicht. "Wie persönlich und kreativ die Beurteilungen sind, hängt sehr vom Lehrer ab", sagt Schweiger.

Während die Lehrer bei den Texten relativ freie Hand haben, ist Grundsätzliches wie die Optik und was ein Zeugnis enthalten darf und was nicht, in der Schulordnung geregelt. Mitteilungen über Verweise und Fehltage etwa sind nicht gestattet. Sie werden lediglich in der Schülerakte vermerkt.

Nicht erlaubt: negative Aussagen im Abschlusszeugnis

Doch Schweiger kennt auch hier Möglichkeiten, wie man Verweis-Sammler entlarven kann. "Dann steht da eben beispielsweise ,traf gegenüber den Lehrern nicht immer den richtigen Ton'". Ab einer gewissen Jahrgangsstufe sind aber selbst solche Sätze nicht mehr erlaubt. Im Paragraf 50 der Volksschulordnung steht: "In den Jahrgangsstufen acht, neun und zehn darf ein Zeugnis keine Formulierung enthalten, die den Übertritt in das Berufsleben erschwert." Für die Gymnasien gilt dieselbe Regelung für die Jahreszeugnisse der neunten und zehnten Klassen. Danach gibt es ohnehin keine Beurteilungen mehr.

Bei seinen eigenen Zeugnissen als Schüler kann sich Schweiger übrigens nur noch an eine Formulierung ganz genau erinnern. "Die Schrift muss besser werden." Das habe sehr häufig drin gestanden. "Und wäre auch heute noch so." Uta Baumann

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