Über etliche Wochen hinweg sind eine 80-jährige Frau und ihr 52-jähriger behinderter Sohn unbemerkt tot in ihrem Haus in Scheidegg (Landkreis Lindau) gelegen. Ursache und Umstände ihres Todes geben bislang Rätsel auf. Nach Angaben der Kriminalpolizei Lindau gibt es aber keine Hinweise auf ein Kapitalverbrechen.
Dementer Familienvater lebte im Erdgeschoss
Die Mutter bewohnte mit ihrem körperlich und geistig behinderten Sohn das Obergeschoss eines Wohnhauses. Im Erdgeschoss lebte auch der Familienvater. Er ist dement, konnte sich aber noch einigermaßen selber versorgen. Ob er vom Tod seiner nahen Verwandten überhaupt etwas mitbekommen hat, ist laut Polizei unklar. Die Familie war vor einigen Jahren in die Gemeinde gezogen, hatte aber keine Kontakte nach außen – weder zu Nachbarn noch zu Bekannten oder Pflegediensten. So erklärt sich die Polizei, warum der Tod der beiden Menschen in dem Ort lange unbemerkt blieb.
Leichen "extrem stark verwest"
Aufmerksam gemacht wurde die Polizei von einer entfernt Verwandten. Sie hatte zuvor mehrfach vergeblich versucht, die Familie zu erreichen. Einer Streifenbesatzung schlug bereits beim Betreten des Hauses beißender Geruch entgegen. Die Beamten fanden die beiden „extrem stark verwesten“ Leichen im Obergeschoss des Hauses. Die Polizei geht davon aus, dass die beiden über Wochen, möglicherweise Monate hinweg, tot in dem Haus lagen. Der genaue Todeszeitpunkt lasse sich aber nicht mehr feststellen, so die Kriminalpolizei in Lindau. Ebenso ist unklar, ob Mutter und Sohn gleichzeitig gestorben sind.
Die beiden Leichen sind mittlerweile obduziert worden. Eine Todesursache ist dabei nicht gefunden worden. Einen Hinweis auf ein Fremdverschulden gebe es aber nicht, so die Kripo. Sie erhofft sich noch Aufschlüsse von chemisch-toxikologischen Untersuchungen, die derzeit laufen.
Todesursache unklar
Bis deren Ergebnisse vorliegen können aber noch Wochen vergehen. Über die Todesursache lässt sich nur spekulieren. Die beiden könnten sich gegenseitig vergiftet haben, die Mutter könnte aber auch gestorben, der allein hilflose Sohn anschließend verhungert sein.