Freitag, 18. August 2017

01. Juli 2014 11:53 Uhr

Donau-Ries

"Zwölf Stämme": Sektenmitglieder weigerten sich bei Polizei-Razzia

Wieder eine Polizeiaktion bei den „Zwölf Stämmen“: Rund 100 Polizeibeamte waren heute Morgen in Gut Klosterzimmern auf der Suche nach zwei Mädchen.

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Weil zwei Kinder abgängig sind, hat die Polizei mit einer Hunderschaft das Gut Klosterzimmern durchkämmt. Die Mädchen fanden die Beamten allerdings nicht.

Die umstrittene Glaubensgemeinschaft „Zwölf Stämme“ hat einmal mehr Ärger mit den Behörden. Heute Früh gegen 6.15 Uhr rückten rund 100 Polizeibeamte und Mitarbeiter des Jugendamts auf dem Hof der Sekte in Klosterzimmern (Kreis Donau-Ries) an - auf der Suche nach zwei Mädchen.

"Das Familiengericht hat zwischenzeitlich ein fachpsychologisches Gutachten eingeholt, das im Ergebnis einen Verbleib der Kinder bei seinen Eltern in Klosterzimmern ablehnt", heißt es in der Presseerklärung des Landratsamtes Donau-Ries.

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Suche nach Mädchen bleibt vorerst erfolglos

Die beiden elf und 13 Jahre alten Kinder waren auf Beschluss des Jugendamtes in einem Heim unterbracht, und aus diesem weggelaufen. Es habe "belastbare Hinweise" gegeben, dass die Mädchen zu ihren echten Eltern in Klosterzimmern zurückgekehrt seien, berichtete Mario Lauser, Sprecher des Polizeipräsidiums Schwaben Nord. Das Familiengericht Nördlingen habe daraufhin angeordnet, die Kinder zurückzubringen.

Am Dienstag gegen 6.15 Uhr fuhren am Sitz der "Zwölf Stämme" Busse mit Bereitschaftspolizisten und Beamten des Polizeipräsidiums Schwaben Nord vor. Sie betraten die Gebäude und suchten nach den Mädchen - jedoch erfolglos, wie Lauser sagt: "Wir haben sie nicht gefunden."

Passiver Widerstand bei der Durchsuchung

Die Sektenmitglieder hätten bei der Aktion passiven Widerstand geleistet, so der Polizeisprecher weiter. Sie hätten sich unter anderem geweigert, verschlossene Türen zu öffnen. "Wir mussten diese aufbrechen." Zudem hätten Bewohner drei Mal den Feueralarm ausgelöst.  Gegen 8.30 Uhr war die Suchaktion beendet, die Beamten und die Mitarbeiter des Jugendamtes zogen wieder ab.

Im September vergangenen Jahres hatten Jugendamt und Polizei in einem Großeinsatz 40 Kinder vom Gelände der Glaubensgemeinschaft aus Klosterzimmern bei Nördlingen geholt. Zuvor war bekannt geworden, dass die Sekte körperliche Züchtigung, also Schläge, als legitimes Erziehungsmittel ansieht. Ein RTL-Reporter hatte mit versteckter Kamera dokumentiert, wie Mitglieder der „Zwölf Stämme“ Kinder mit einer Rute schlagen.

Seitdem gab es zahlreiche Gerichtsverfahren, viele Eltern wehrten sich gegen die Polizeiaktion und die Unterbringung ihrer Kinder in Pflegefamilien und Heimen. bo

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