Nach ihrem Cyber-Angriff auf die US-Sicherheitsfirma Stratfor hat die Hackerorganisation "Anonymus" nach eigenen Angaben gewaltige Mengen Kundendaten ins Netz gestellt. In der Nacht zu Silvester veröffentlichrte die lose organisierte Gruppe Links, die zu 75 000 Namen, Adressen, Kreditkartennummern und Passwörtern von Kunden des Unternehmens Stratfor führen sollen. Die Gruppe hatte weitere Cyberattacken für die Silvesternacht angekündigt, doch die blieben offenbar zunächst aus.
Es seien 860.000 Benutzernamen und E-Mail-Adressen von allen Personen aufgelistet, die sich je auf der Firmenseite registrieren ließen, so die Hackerorgannisation. 50.000 dieser Adressen endeten auf ".mil" oder ".gov" - Endungen. Diese werden in den USA von Militärpersonal und Regierungsbeamten verwendet. Die Inhalte waren mehrere Stunden nach der Erklärung bereits wieder gelöscht.
"Wir rufen alle verbündeten Schlachtschiffe, alle Armeen der Dunkelheit auf, diese Passwort-Listen und Kreditkarteninformationen zu nutzen und zu missbrauchen", heißt es in der Mitteilung. Ziel sei "unheiliges Chaos über die Systeme und persönlichen E-Mail-Konten dieser reichen und mächtigen Unterdrücker zu bringen".
Bezug zu Wikileaks-Informanten
Anonymous bezieht sich auch ausdrücklich auf den mutmaßlichen Wikileaks-Informanten Bradley Manning, der in Haft sitzt und dem demnächst der Prozess gemacht werden soll. "Wollt ihr ihn noch immer lebenslang einsperren? Denkt ihr noch immer, wir machen nur Spaß? Das ist in Ordnung. Es sind genug Worte gefallen."
Stichwort: Hacker, Cracker, Hacktivisten
Ursprünglich bezeichnete der Begriff "Hacker" einen Technik-Enthusiasten, der ein Gerät oder eine Software begreifen will und dabei neue, nicht selten ungewöhnliche Nutzungsmöglichkeiten erschließt.
Im allgemeinen Sprachgebrauch werden darunter jedoch vor allem Kriminelle und Spione verstanden, die Sicherheitslücken ausnutzen, um in fremde Computer einzudringen, um diese lahmzulegen oder Informationen zu stehlen.
In der Szene gibt es für die kriminellen Hacker einen eigenen Begriff: Cracker.
Als Script-Kiddies bezeichnet man abfällig junge Hacker, die mit wenig eigenem Fachwissen Sicherheitslücken an fremden Systemen ausnutzen, um Schaden anzurichten - oder schlicht zu beweisen, wie gut sie sind.
Eine weitere Untergattung des Hackers hat in den vergangenen Jahren immer wieder Schlagzeilen gemacht: Der Hacktivist, der seine Fachkenntnisse einsetzt, um für politische Ziele zu kämpfen.
Die lose organisierte Gruppe Anonymous legte beispielsweise die Websites von Firmen lahm, die das Whistleblowing-Portal Wikileaks boykottiert hatten.
Der Chaos Computer Club (CCC) betont, zur guten Seite zu gehören.
Der Verein hat sich selbst eine Hackerethik gegeben. Und mit ihrer Expertise treiben die Computerexperten die politische Debatten zu Themen wie Vorratsdatenspeicherung oder Überwachungssoftware voran.
Die US-Firma räumte einen Hackerangriff ein und bedauerte in einer in dem Netzwerk Facebook veröffentlichten Mitteilung den Vorfall. Das Unternehmen bestätigte, dass unter den Informationen Kreditkartenangaben von zahlenden Kunden und die E-Mail-Adressen von Personen sind, die Gratisinformationen erhielten. "Wir möchten unseren Kunden und Freunden versichern, dass es sich dabei nicht um eine neue Cyberattacke handelt, sondern um Informationen, die bei einem früheren Eindringen in das System gestohlen worden waren."
Anonymous war mit Online-Angriffen auf Gegner der Enthüllungsplattform Wikileaks bekannt geworden. Die Hacker hatten unter anderem Angriffe gegen das Kreditkartenunternehmen Visa und den Internet-Bezahldienstleister PayPal gestartet, die nach der Veröffentlichung von geheimen US-Diplomatendepeschen ihre Zahlungen an Wikileaks eingestellt hatten. dpa/afp