Bei einem seiner höchst seltenen Auftritten in der Öffentlichkeit hat der kranke Apple-Boss Steve Jobs den Online-Speicherdienst «iCloud» vorgestellt.

Zum Auftakt der alljährlichen Entwicklerkonferenz WWDC pries Steve Jobs den Dienst am gestrigen Montag als wegweisend für den Umgang mit Daten in der Zukunft. Bei der Veranstaltung in San Francisco, Kalifornien, führte Apple auch die neue Generation der Betriebssysteme für Mac-Computer und iPhones vor.



Die Vorstellung von «iCloud» war mit Spannung erwartet worden. Der Dienst soll die digitale Musiksammlung, Fotos und andere Dokumente der Nutzer in der Datenwolke des Internets speichern und automatisch auf alle Ausgabegeräte wie Computer, Tablet-PCs oder internetfähige Handys übertragen. «Einige Menschen denken, die Datenwolke ist nur eine Festplatte», sagte Jobs. «Wir glauben, dass sie mehr ist.» Der Apple-Chef sagte, er wolle «iCloud» zu einer Art «Drehscheibe» für die Datensammlung der Nutzer machen.
Hinter dem Dienst verbirgt sich die Idee des Cloud Computing, bei der Anwendungen und Daten nicht mehr an einen festen Rechner gebunden sind, sondern ins Internet ausgelagert werden. Zuvor hatten bereits die Apple-Konkurrenten Google und Amazon ähnliche Dienste für das Speichern von Musik vorgestellt. Auch existieren im Internet bereits Angebote wie Dropbox, die automatisch die im Netz abgelegten Dateien zwischen mehreren Computern synchronisieren können.
Achte Version des Mac-Betriebssystems OS X
Apples Marketing-Chef Phil Schiller führte unterdessen die achte Version des Mac-Betriebssystems OS X mit dem Namen Lion vor. Ab Juli sollen Nutzer die Version für 29,99 Dollar herunterladen können - ein deutlich günstigerer Preis als die 129 Dollar, die Apple für vorherige Upgrades verlangte. Zu den Neuerungen gehört unter anderem eine «Airdrop» genannte Funktion, bei der sich in der Nähe befindliche Mac-Nutzer gegenseitig Dateien über eine drahtlose Verbindung zuschieben können. Anschließend enthüllte Apple-Manager Scott Forstall das neue Betriebssystem iOS 5 für iPhone und iPad. Seinen Angaben zufolge hat das Unternehmen bislang mehr als 200 Millionen iOS-Geräte verkauft.
Jobs hatte sich im Januar gesundheitsbedingt zurückgezogen, zuletzt war er bei der Vorstellung des iPad 2 im März öffentlich aufgetreten. Die Gründe für die Auszeit des Apple-Gründers und deren Länge sind nicht bekannt. Bereits 2009 hatte sich Jobs fast sechs Monate von der Arbeit zurückgezogen, als er sich einer Lebertransplantation unterziehen musste. Im Jahr 2004 war Jobs wegen Bauchspeicheldrüsenkrebs operiert worden.
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